Tausende demonstrieren für Politikwechsel in Deutschland vor dem Bundeskanzleramt

Klatsche für die politische Elite vor dem Tag der deutschen Zwietracht.

Eine Studie hatte jüngst festgestellt, dass Deutschland auch nach 26 Jahren tief gespalten ist und der Rassismus wächst.

Mehrere Tausend Menschen forderten heute in Berlin einen Politikwechsel in Deutschland. Im Mittelpunkt stand die Kritik an der militärischen Aufrüstung und der NATO. Aber auch Umweltpolitik und die Rechte der aus den Kriegsgebieten geflüchteten Menschen waren Themen.

Am heutigen Samstag haben in Berlin mehrere Tausend Menschen gegen die aktuelle Politik der Bundesregierung protestiert. Zu der Kundgebung hatte der Journalist Ken Jebsen über soziale Medien mobilisiert. Von einer überdachten Bühne redeten vor dem Bundeskanzleramt zunächst Jebsen und der Musiker Owe Schattauer. 

Beide kritisierten die Aufrüstung in der Bundesrepublik und die Mitgliedschaft in der NATO. Insbesondere das Verhältnis zu Russland und der Syrienkrieg seien die Folgen einer verfehlten Wirtschaftspolitik, die auf den Raub von Ressourcen und den Machterhalt einer kleinen Elite angelegt sei, so Jebsen. 

Die Sprecher der Aktion "Es reicht" appellierten an die Bevölkerung, sich nicht durch künstliche Widersprüche spalten zu lassen. Hautfarbe, Religion und andere Unterschiede seien Teil der Natur und der Schöpfung, argumentierte, der ehemalige Radiomoderator. Um gemeinsam für Frieden und eine zukunftsfähige Wirtschaft einzustehen, die nicht darauf basiert, Ressourcen zu enteignen und zu verschwenden, sollten die Menschen das Gemeinsame suchen. 

Die Veranstalter begrüßten, dass Deutschland und Europa eine große Zahl von Flüchtlingen aufnimmt.  Allerdings bräuchten die Menschen eine Perspektive, auch in ihre Länder zurückkehren zu können. Das Wichtigste sei es, die Ursachen der Flucht zu bekämpfen: die Kriege und ungerechte Wirtschaftsbeziehungen. Politiker aller Parteien mussten sich harsche Kritik anhören. 

"Wer die Interessen der Bevölkerung nicht vertritt, ist auch kein Volksvertreter", so Ken Jebsen.

Am 1. Oktober fand deshalb  vor dem Kanzleramt in Berlin eine Demonstration unter dem Motto: „Es reicht!“ statt. Der freie Journalist Ken Jebsen und seine „KenFm“-Crew haben den Protest initiiert.

Die Aktion am 1. Oktober soll ein „Gründungstreffen der ‚Entschlossenen'“ sein. Auf dem KenFm-Portal heißt es dazu :

„Der Countdown läuft: Am 1. Oktober wollen wir in Berlin gemeinsam mit euch Grip auf die Straße bringen, um uns selber und ‚denen da oben‘ unter Beweis zu stellen, dass wir nicht nur reden, sondern auch tun. 

Dass wir nicht bloß passiv zuschauen, sondern uns aktiv demokratisch engagieren. Dass wir die Sache selber in die Hand nehmen, wenn es nötig ist. Und aktuell ist es nötig. Die Stimmung in Deutschland und Europa droht zu kippen, und die Politik wartet mit einer nie da gewesenen Unentschlossenheit auf, obwohl es fünf vor zwölf ist. Wir, die Entschlossenen, die wir uns kommenden Samstag um 11.55 Uhr treffen, werden vor dem Kanzleramt ein Lebenszeichen der wirklichen Demokratie aussenden, und gemeinsam miteinander sprechen, um Lösungsansätze herauszuarbeiten.“

ES REICHT!

„Wer ein Problem erkennt und nichts zu seiner Beseitigung unternimmt, ist möglicherweise ein Teil des Problems.“

Die Regierung Angela Merkel ist ein Test:
Wie weit kann man Europa – und damit auch Deutschland – weiter an die Wand fahren? Was ist den Bürgern Demokratie eigentlich wert? Reicht es ihnen, 24 Stunden und 7 Tage die Woche die Möglichkeit des Shoppings zu haben, oder ist da noch mehr?

Stört es das wiedervereinigte Deutschland, dass die Nation unter Merkel und Gauck zu einem Land verkommt, in dem Eliten machen können, was sie wollen? Stört die Bewohner dieses Landes der Dauerkotau der Regierung vor den USA nicht? Sind sie happy mit TTIP, Ramstein-Terror und NSA-Spitzelstaat? Angela Merkel scheint das mehr oder weniger egal zu sein. Vielleicht empfindet sie bei kompletter Bevormundung auch so etwas wie Nostalgie.

Wer Kinder hat, dem kann nur Angst und Bange werden, denn unter Merkel ist die Kriegsgefahr in Europa massiv gestiegen.

Sie ist an den deutschen Rüstungsexport gebunden – und der macht Bombengeschäfte. Wie kann es sein, dass diese Regierung sich einen Sch***s um die eigene Verfassung kümmert und für den schnöden Profit die innere Sicherheit gefährdet?

„Wir schaffen das!“ Ja?

Was schaffen wir? Wir haben es geschafft, uns aktiv an diversen völkerrechtswidrigen NATO-Kriegen zu beteiligen. Egal, was aus dem Pentagon kommt, Merkel ist flexibel wie warmes Wachs.

Wer Wind sät, wird Sturm ernten. Nur haben wir eben einen Orkan gesät. Die Anschläge der letzten Wochen in Europa und auch in Deutschland sind erst der Anfang. Wir bekommen es mit einem Gegner zu tun, der nichts mehr zu verlieren hat und der bereit ist, sich selber in die Luft zu sprengen. Hier handelt es sich um Rache. Rache für die jahrelange Beteiligung an US-Ressourcenkriegen.

Man kann diese Gewaltspirale nicht mit noch mehr Gewalt stoppen. Wir brauchen eine völlig andere Politik. Wir brauchen einen Regime-Change in den Konzernetagen, die in Wahrheit Merkels Politik bestimmen. ( Aus Sicht der IZ Redaktion wäre eine Vergesellschaftung der Konzerne noch wichtiger).

Wie schnell ein Wechsel stattfinden kann, konnten wir beim Ausstieg aus der Kernenergie erkennen. Nur musste erst Fukushima kommen.

Wollen wir warten, bis sich ein Terror-Super-Gau in Deutschland ereignet?

Diese Regierung hat kein Konzept für das 21. Jahrhundert. Vielleicht ist sie damit auch vollkommen überfordert.

Fakt ist, dass wir alle den Preis für die zelebrierte Unfähigkeit zu bezahlen haben. Es sind unsere Gesellschaften, die unter dem „Krieg gegen den Terror“ immer größere Teile ihrer demokratischen Errungenschaften aufgeben. Wir müssen nicht nach Ankara schauen. Paris hat den Ausnahmezustand nach dem Anschlag von Nizza verlängert!

Deutschland unter Merkel ist von dieser Entscheidung nur noch eine Autobombe entfernt. Während die meisten von uns im Urlaub waren, hat Merkel auf der Sonder-Bundespressekonferenz angekündigt, jetzt auch den Einsatz der Bundeswehr im Inneren stärker in Erwägung ziehen zu wollen. Im Rahmen der Terrorbekämpfung, versteht sich. Wer in der Demokratie schläft, wacht in einer Diktatur auf.

Wollen wir das? Wollt Ihr das? Ich will es nicht und ich kämpfe als Journalist, Reporter, Aktivist und Vater von drei Kindern gegen dieses immer wahrscheinlicher werdende Szenario.

So entstand die spontane Aufforderung, sich am 1. Oktober mit 25.000 Person vor das Kanzleramt zu stellen. Zwei Tage später würden Merkel & Co. gerne in aller Ruhe den Tag der Deutschen Einheit für sich und ihre menschenfeindliche Politik missbrauchen. Mit vorsortierten Gästen und systemkonformen Reden. Das alles kennt die Frau aus ihrer Vergangenheit, genauso wie der Bundespräsident.

Ob wir eine offizielle Demonstration vor dem Kanzleramt genehmigt bekommen, steht noch in den Sternen. Die Polizei lässt sich bei der Bearbeitung der Anfrage Zeit…

Stört mich das? Nein. Im Gegenteil. Ich stelle mich trotzdem vor das Gebäude. Fünf Minuten vor Zwölf werde ich da sein. Es ist ein Zeichen. Mir reicht es. Ich kann die Kriegspolitik dieser Regierung nicht mehr mittragen und nicht mehr ertragen.

Merkel gefährdet meine Gesundheit und fügt Menschen in meiner europäischen Umgebung schweren Schaden zu. Aber vor allem misst diese Politik menschliches Leben mit zweierlei Maß.
Wie passt das zum C der CDU?

Ich bin nicht bereit, bei der chronischen Ermordung von Menschen im Mittleren Osten die Augen zu verschließen. Ramstein ist eine US-Terror-Zentrale auf deutschem Boden und jeder, der dagegen nicht aufsteht, hat aus der deutschen Geschichte nichts gelernt.

Entweder wir beginnen endlich als Spezies zu denken, kooperieren auch mit anderen Kulturen, anstatt sie permanent zu dämonisieren und zum Abschuss freizugeben, oder aber wir werden diesen Planeten in Kürze vollständig unbewohnbar gemacht haben, für Menschen wohlgemerkt! Wir schaffen uns ab.

Freunde der Restdemokratie und des verbliebenen Stolzes, ich appelliere an Euren Instinkt. Erkennt die Zeichen der Zeit. Wir stehen unmittelbar vor einer Katastrophe. Kriege, große Kriege, sind längst wieder Teil des politischen Handelns. Dafür steht Merkel als Teil eines neoliberalen Verteilerschlüssels, bei dem immer nur wenige Menschen obszönem Reichtum wie einer Droge verfallen sind, während immer größere Teile der Menschheit im Elend verrecken. Niemand kann diese wütenden Horden mit Gewalt aufhalten. Hier helfen nur eine ehrliche Analyse und ein Aufbruch in ein 21. Jahrhundert, das der Empathie gewidmet sein muss. Empathie mit dem Leben an sich. Die Natur ist kein Sklave, der unserer Spezies zu dienen hat. Die Natur wehrt sich.

Es ist 5 Sekunden vor 12. Darum stehe ich am 1. Oktober um 5 vor 12 in Berlin vor dem Kanzleramt. Mit oder ohne Genehmigung. Nur, brauche ich überhaupt für zivilen Ungehorsam gegen eine den inneren Frieden in Deutschland gefährdende Politik eine behördliche Erlaubnis?

Es wird Zeit, dass wir 26 Jahre nach Mauerfall aus dem System Merkel ausreissen. Seht dieses Treffen als Teil eines Prozesses. Direkte Demokratie und Politik von unten, statt einer gekauften Parteienlandschaft, deren Mitgliedern auf dem Weg nach oben via NATO-Presse klargemacht wurde, dass das Parlament ein Ort ist, an dem man gerne viel reden kann, nur, dass die elementaren Entscheidungen längst von Eliten getroffen wurden. Politiker sollen den persönlichen Findungsprozess lediglich vortäuschen und „ihr“ Ergebnis der Bevölkerung verkaufen.

Dieses System der gelenkten Demokratie hat uns direkt an den Abgrund geführt.

Wir sind längst selber Opfer des „Kriegs gegen den Terror“, der in Wahrheit zwei Felder beackert. Er zerstört ganze Staaten, die über Ressourcen verfügen und nicht bereit sind, diese zu Schleuderpreisen an Global-Player zu verhökern, UND er stranguliert die Rest-Demokratien, indem er aus „Sicherheitsgründen“ immer größere Teile der Freiheit aufgibt.

Steht dagegen auf. Steht am 1. Oktober 2016 um 12 Uhr vor dem Kanzleramt in Berlin. Seid einfach da. Lernt, Demokratie mit den Füßen zu machen. Dieser erste Schritt ist der Beginn eines neuen politischen Bewusstseins, bei dem der einzelne Mensch, der Bürger, endlich im Mittelpunkt steht.

Es reicht nicht, nur GEGEN diese Regierung zu sein, wir müssen auch lernen, FÜR etwas zu sein.
Zu aller erst müssen wir UNS dafür kennenlernen. Das ist ausdrücklich erlaubt und vor dem Kanzleramt ist reichlich Platz.

25.000 sind möglich. Wetten, dass?
https://kenfm.de/es-reicht-demonstration/

Ken Jebsen war bis 2011 als Fernseh- und Radiomoderator tätig, zuletzt beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB). Nachdem Jebsen damit begann, über kritische politische Themen zu berichten und brisante Fragen zu stellen, wurde er wegen angeblicher „antisemitischer“ Äußerungen kritisiert, die es nicht gab. Entsprechend mußte der Sender die Kündigung umformulieren.

Nachtrag;
 Auf der Veranstaltung trat auch eine "Reichsbürgerin" auf, wie die Redaktion später erfuhr.  Sie vertreten viele wirre und unhaltbare Positionen. Aber auch richtige Positionen, wie den Hinweis darauf, dass Deutschland nach wie vor nicht souverän ist, was auch Gregor Gysi  vielfach sagte.  Sie sind Bürgerliche aber laut Marx in der Friedensbewegung bzw. im Kampf gegen  britischen oder US-Imperialismus und gegen  Neo-Kolonialismus für den Kampf für die nationale Befreiung legitim.

Aus dem Marx Lexikon über "Nationale Befreiung":

Nationale Befreiung

 

1. Auswärtige Eroberer, nicht die eigene Bourgeoisie,

sind bis zur nationalen Befreiung der Hauptfeind

„Solange ein lebensfähiges Volk von einem auswärtigen Eroberer gefesselt ist, wendet es alle seine Kraft, alle seine Anstrengungen, alle seine Energien notwendig gegen den äußeren Feind; solange bleibt also sein inneres Leben paralysiert, solange bleibt es unfähig, für die soziale Emanzipation zu arbeiten.“ K. Marx, Über Polen, MEW 18, 574.

 

„Jeder polnischer Bauer und Arbeiter, der ... zur Teilnahme an allge-meinen Interessen aufwacht, stößt zuerst auf die Tatsache der nationalen Unterjochung (durch Russland und Preußen), sie tritt ihm überall als erstes Hindernis in den Weg. Sie zu beseitigen ist Grundbedingung jeder gesunden und freien Entwicklung. Polnische Sozialisten, die nicht die Befreiung des Landes an die Spitze ihres Programms setzen, kommen mir vor wie deutsche Sozialisten, die nicht zunächst die Abschaffung des Sozialistengesetzes, Press-, Vereins-, Versammlungsfreiheit fordern wollten. Um kämpfen zu können, muss man zuerst einen Boden haben, Luft, Licht und Ellenbogenraum. Sonst bleibt alles Geschwätz.“ F. Engels, Brief an Kautsky (1882), MEW 35, 270.

 

 

3. Nationale Befreiungsbewegungen schließen auch Bürgerliche ein

„Wir alle haben ja ursprünglich, soweit wir erst durch Liberalismus oder Radikalismus durchgegangen sind, diese Sympathien für alle ‚unterdrückten‘ Nationalitäten mit herübergenommen, und ich weiß, wie viel Zeit und Studium es mich gekostet hat, sie, dann aber auch gründlich, loszuwerden. ...

Wir haben an der Befreiung des westeuropäischen Proletariats mitzuarbeiten und diesem Ziel alles andere unterzuordnen. Und wären die Balkanslawen etc. noch so interessant, sobald ihr Befreiungsdrang mit dem Interesse des Proletariats kollidiert, so können sie mir gestohlen werden.

Die Elsässer sind auch unterdrückt (von Bismarck-Deutschland), und es soll mich freuen, wenn wir sie wieder los sind. Wenn sie aber am Vorabend einer sichtbar heranziehenden Revolution einen Krieg zwischen Frankreich und Deutschland provozieren, diese beiden Völker wieder verhetzen und die Revolution dadurch vertagen wollten, so sage ich: Halt da! Ihr könnt ebenso viel Geduld haben wie das europäische Proletariat. ...

Ebenso mit den (Balkan-)Slawen...

Um der paar Herzegowiner willen einen Weltkrieg entflammen, der 1000-mal mehr Menschen kostet, als in der ganzen Herzegowina wohnen – das ist nicht meine Ansicht von der Politik des Proletariats.“ F. Engels, Brief an Bernstein (1882), MEW 35, 278ff.

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Macht Rot-Rot-Grün nicht wieder zum Sargnagel für die Linke in Berlin

Wenn es nicht passt und Inhalte nicht stimmen, will man diesmal lieber in der Opposition bleiben - Duldung einer Minderheitsregierung wäre weitere Option

Von 2001 bis 2011 hat die Linke in Berlin schon einmal in einer Rot-Roten Regierung unter Wowereit in Berlin mitregert.

Die 10 Jahre waren durch den Verrat linker Grundsätze durch die Linkspartei gekennzeichnet. so wurde sogar das Wasser und Wohnungen der kommunalen Wohungsbaugesellschaft in neoliberaler Manier privatisiert.

Beispielsweise wurden viele Wohnungen an einen US- Finanzmarktspekulanten verscherbelt und somit Mietpreisexplosionen in Berlin durch die Linkspartei mitverursacht.

Nach Zustimmung der Führungsgremien starten am nächsten Donnerstag die rot-rot-grünen Koalitionsverhandlungen. SPD, Grüne und Linke werden jeweils acht Hauptverhandlungsführer entsenden, die sich voraussichtlich zwei Mal pro Woche treffen.

Die drei Parteien wollen die Details des Koalitionsvertrages in 14 Facharbeitsgruppen aushandeln. Drei davon betreffen Querschnittsressorts: Personal und Verwaltung; Flüchtlinge, Ausländerbehörde und Integration sowie „gutes Regieren“ (Zusammenarbeit auf parlamentarischer Ebene und mit dem Bund). Die Führungsgremien von SPD und Grünen beschlossen am Donnerstagabend beide einstimmig die Aufnahme von Koalitionsgesprächen.

Einstimmig war der Beschluss des Landesvorstands am Mittwochabend nicht, eine Empfehlung für Koalitionsgespräche auszusprechen. Von 17 anwesenden Vorstandsmitgliedern stimmten zwei dagegen, drei enthielten sich der Stimme. Die Ablehnung der Parteimitglieder liegt wohl weniger in der grundsätzlichen Ablehnung eines rot-rot-grünen Bündnisses oder einer Regierungsbeteiligung. Es geht vielmehr um Taktik: Soll die Linke mit einer Liste von Mindestbedingungen in die Verhandlungen gehen? Die deutliche Mehrheit ist gegen einen Forderungskatalog, um den Verhandlungspartnern nicht die Möglichkeit einzuräumen, von vornherein Bedingungen zu setzen.

Ein Parteitag der Linken ohne Protest ist kein echter, linker Parteitag. Vor dem Neuen Deutschland Haus versammelten sich Freitagabend Demonstranten und verteilten Zettel mit Forderungen nach Kohleausstieg, besserer Bezahlung der Mitarbeiter der Vivantes-Tochterfirmen und nach ein Nachtflugverbot. Drinnen im ND-Gebäude debattierten Genossen, ob die Linke rot-rot-grüne Koalitionsverhandlungen aufnehmen soll, ob sie wieder den Schritt in die Regierungsverantwortung machen soll, diesmal mit zwei weiteren Partnern. Parteichef Klaus Lederer sprach bedächtig, vermied konkrete inhaltliche Aussagen und wiederholte mehrfach das Wort „Herausforderung“. Die 142 Delegierten folgten ihm und stimmten mit großer Mehrheit für die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen.
Die anstehenden rot-rot-grünen Gespräche würden „alles andere als leicht“ werden. „Es kann klappen, aber es muss nicht“, sagte Lederer. Und „nur um Kosmetik“ könne es ja wohl nicht gehen. Lederer sprach von der Entwicklung von Berlin in eine demokratischere und sozialere Stadt. Und ein „halbes Okay“ seiner Partei für die Verhandlungen reiche nicht aus. „Wir fordern scharfen Rückenwind aus der Partei.“

Spürbare Leidenschaft und echte Aufbruchstimmung fehlte - Die Enttäuschung über die letzte Linksregierung sitzt zu tief. Diesmal muß man es besser machen - oder es war das letzte Mal

Einige Genossen plädierten für rot-rot-grüne Gespräche; es wurde über „Projekte“, über „durchsetzungsfähige Politik“ gesprochen.

Was den linken Reform-Realpolitikern aber fehlte, war spürbare Leidenschaft.

Ausgerechnet Ex-Senator Harald Wolf, der nicht gerade für sprühende Empathie bekannt ist, wandte sich engagiert an die Delegierten.

„Warum soll man jetzt schon Gespräche ausschließen. Lasst uns mit Selbstbewusstsein in die Verhandlungen gehen. Und wenn es dann nichts wird, dann wird es eben nichts.“ Fraktionschef Udo Wolf, warnte davor in „komischem Symbolismus zu verfallen und auf die Sahne zu hauen.

Wir können es uns nicht erlauben, dass wir schuld wären am Scheitern der Verhandlungen“. Das gilt auch für die Grünen und noch mehr für die SPD. In Neukölln sind Genossen wie Lucy Redler aktiv, die der trotzkistischen Sozialistischen Alternative (SAV) und der Antikapitalistischen Linken (AKL), einer politischen Strömung in der Linken, angehören. Redner lehnt rot-rot-grüne Verhandlungen ab und schlägt stattdessen die Tolerierung einer rot-grünen Minderheitsregierung vor. Diese Forderung griff kein anderer Linker auf.
Am Dienstag will der Landesvorstand die Zusammensetzung der Verhandlungsgruppe beschließen. Nach Tagesspiegel-Informationen sind Klaus Lederer, Udo Wolf, Harald Wolf, Carola Bluhm, Katina Schubert, Kathrin Lompscher, Dagmar Pohle, Elke Breitenbach und Pascal Meiser im Gespräch.

 

Putsch der Linke Bayern gegen  einen unliebsamen Kreisverband  oder Kommödienstadl?

Der Landesverband der Linkspartei in Bayern hat sich für die "Absetzung durch Neuwahlen" des für sie unliebsamen Kreisvorsitzenden Heinz Michael Vilsmeier in Niederbayern Mitte eingesetzt und diese auch durchgesetzt.
 
Die Neuwahl wurde so von außen betrieben und es wurden zwei neue Kreisvorsitzende bzw. Kreissprecher gewählt.
 
Vorher hatte Vilsmeier bei einer Gegenkundgebung zur AfD im niederbayerischen Deggendorf die Verantwortung der Sozialdemokratie und der Gewerkschaftsspitzen des DGB und der IGM für den Vormarsch der Rechten heftig kritisiert.
Prompt fasste DIE LINKE. Passau einen Beschluss, in dem sie sich ausdrücklich vom Vorsitzenden des Nachbarkreisverbandes „entsolidarisierte“.
 
Dennis Neubert, der wie „zufällig“ kurz davor in DIE LINKE. eingetreten war und in Abstimmung mit Vilsmeier den Ortsverband Dingolfing aufbauen sollte, weswegen er zum Ortsvorsitzenden und in den Kreisvorstand gewählt worden war, schloss sich mit dem Kreisvorsitzenden von Passau kurz und brachte in Abwesenheit Vilsmeiers eine Stellungnahme des Kreisvorstands Niederbayern Mitte ein.
 
Gemeinsam mit Yenni Kellermann, der Orstvorsitzenden von Deggendorf, die ebenfalls wenige Wochen vorher eingetreten und in den Kreisvorstand Niederbayern Mitte gewählt worden war, sowie dem Vertrauten der Bundestagsabgeordneten und langjährigen Landessprecherin der Linkspartei  Bayern Eva Bulling-Schröter, Stefan Hölzl, dem Schatzmeister des Kreisverband Niederbayern Mitte, wurde eine öffentliche Distanzierung von Vilsmeier beschlossen.
 
Damit war, wie Vilsmeier später erfuhr, ein „strukturierter Angriff“ auf den Kreisverband Niederbayern Mitte eröffnet, der von Richard Spieß, dem Linkenstadtrat in Regensburg und Mitglied des geschäftsführenden Landesvorstand „koordiniert“ werden sollte.
 
Welches Ziel wurde mit diesem „strukturierten Angriff“ verfolgt? – Noch vor den letzten Bundestag- und Landtagswahlen kamen die eigentlichen Machthaber in der bayerischen Linken, Claus Ernst (MdB) und Thomas Händel (MdEP) einerseits sowie Eva Bulling-Schröter (MdB) und Harald Weinberg (MdB) andererseits zu der Erkenntnis, dass die nächsten Wahlen nicht mehr, wie in der Vergangenheit in den großen Städten gewonnen werden könnten.
 
Diese Einschätzaung bestätigte sich bei den Wahlen 2013. Ausgehend davon begannen die Mandatsträger der Partei in Abstimmung mit dem jeweiligen Landesvorstand eine Strategie umzusetzen, in deren Rahmen die kleineren Kreisverbände in den fränkischen, oberpfälzer, schwäbischen und niederbayerischen Bezirken zusammengelegt und unter die Kontrolle hauptamtlicher Mitarbeiter gestellt werden sollten.
 
Die Zusammenlegung der Kreisverbände Straubing, Deggendorf, Dingolfing und Rottal wurde zügig umgesetzt, später kam noch Regen dazu.
 
Doch das Debakel der 2013 er Wahlen brachte den Umstrukturierungsprozess ins Stocken.
 
Nachdem Vilsmeier 2013 überraschend in Niederbayern Mitte zum Kreisvorsitzenden gewählt worden war, geriet der Plan vorübergehend in Vergessenheit und Vilsmeier trieb den Aufbau des großen neu entstanden Kreisverbandes mit zahlreichen Veranstaltungen, Kundgebungen und Demonstrationen voran.
 
Über die Aktionen des zahlenmäßig kleinen aber sehr aktiven Kreisverbandes wurde sehr bald täglich in der Regionalpresse berichtet.
 
Offensichtlich war das den Mächtigen in der Linkspartei in Bayern ein Dorn im Auge.
 
Und als Vilsmeier beim 10. Parteitag in Hof gegen den Kandidaten der Mandatsträger für das Amt des Landesvorsitzenden antrat, war sein Schicksal besiegelt.
 
Von nun an hieß es, er arbeite „unprofessionell“, sei „beratungsresistent“, „unbelehrbar“ und „repräsentiere nicht die Positionen“ des Kreisverbandes.
 
Die Angriffe gipfelten darin, dass eine Mitgliederversammlung für den 29. September einberufen wurde, mit dem Ziel Neuwahlen durchzuführen, da das „Vertrauensverhältnis“ zu Vilsmeier „zutiefst“ erschüttert sei.
 
Vilsmeiers Angriffe auf die von SPD und Union vorangetriebene neoliberale Agenda und die Abwanderung linker Wähler, wurden als Gefährdung linker Bündnispolitik interpretiert.
 
In der Tat hatte Vilsmeier die Mitarbeiter der Mandatsträger in ihrer unkritischen und unterwürfigen Haltung gegenüber der SPD und die Zusammenarbeit seines Landesverbandes mit der SPD immer wieder scharf kritisiert.
 
Da stellt sich die Frage, ob Kritiker von Rot-Rot-Grün um jeden Preis in der Linkspartei in Bayern mundtot gemacht werden sollen? Yenni Kellermann und Dennis Neubert die erst vor wenigen Monaten als Neumitglieder in den Kreisverband eingetreten sind, wurden nun am 29. September als „Doppelspitze“ zu Vilsmeiers Nachfolgern gewählt.
 
Yennis Kellermann ist aus Deggendorf. Sie wurde dort sehr bald mit Vilsmeiers Unterstützung OV-Sprecherin. Kurz danach ist Dennis Neubert in den KV eingetreten,
 
Vilsmeier hatte auch ihm geholfen, Sprecher im Ortsverband Dingolfing zu werden, wo der OV neu aufgebaut werden musste.
 
Dies geschah in einer Phase, in der Vilsmeier über jedes neu gewonnene Mitglied für den Kreisverband froh war, da linke Politik im schwarzen CSU-beherrschten Niederbayern kein leichtes Unterfangen ist.
 
Nachdem die beiden Neumitglieder Ortsvorsitzende geworden waren, gab es im Juni Nachwahlen zum KV-Vorstand. Dabei wurden Yenni Kellermann und Dennis Neubert sofort in den Vorstand gewählt, da Vilsmeier das Prinzip eingeführt hatte, dass jeder Ortsverband im Kreisvorstand vertreten sein sollte.
 
Hintergrund ist, dass der Kreisverband in der Diagonale eine Ausdehnung von weit mehr als 100 Kilometer aufweist, was durch die Abstimmung der Ortsverbände im Kreisvorstand kompensiert werden soll.
 
Sie waren also schon vor der gestrigen Wahl im Kreisvorstand.
 
Der gesamte Vorstand ist personell praktisch nicht ausgetauscht worden. Der einzige Unterschied ist, dass Vilsmeier jetzt nicht mehr Sprecher ist.
 
Deshalb vermutet Vilsmeier, dass diese Kandidaten aufgrund des geplanten Putsches als Marionetten des Landesverbandes eingeschleust wurden.
 
Kurz vor dem Parteitag der bayrischen Linkspartei in Hof hatte Vilsmeier eine Kundgebung in Deggendorf gegen die AfD angemeldet.
 
Dem Aufruf haben sich ziemlich viele Organisationen angeschlossen. Bei seiner Rede hat er dann die SPD, die Gewerkschaftsspitzen und die CSU für ihre Verantwortlichkeit beim Vormarsch der Rechten, durch die neoliberale Politik angegriffen.
 
Damit sagte er, was auch die Linken- Fraktionschefin Sahra Wagenknecht sagt.
 
Postwendend kam vom Kreisverband aus Passau die öffentliche Entsolidarisierung Vilsmeier gegenüber und Dennis Neubert brachte in Vilsmeiers Abwesenheit in den KV-Vorstand ein Papier ein, in dem sie sich von seiner Krititk distanzierten.
 
Der 21 jährige Jung-Linke sah darin seine Chance sich zu profilieren. So gehe man nicht mit Bündnispartnern um, die er wohl in der verkommenen bayrischen SPD als gehorchender Grünschnabel sieht und Vilsmeier gefährde zudem so diese Bündnisarbeit.
 
Damit plappert er die Position des Passauer Kreisvorsitzenden und Weinberg-Mitarbeiter Josef Ilsanker nach, der auf dem Parteitag in Hof in den erweiterten Landesvorstand gehievt wurde.
 
Ilsanker sagte dort in seiner Kandidaturrede, mit ihm gebe es nur „Bündnisse auf Augenhöhe“, „die Anderen“ müssten auf DIE LINKE. zugehen …
 
Nach dem Parteitag kamen die Angriffe gegen Vilsmeier immer heftiger und der linke Stadtrat Richard Spieß schickte seine Lebensgefährtin und Genossin im LV in die Ortsverbände, um klar zu stellen, welche politischen Akzente sie zu setzen hätten.
 
Vilsmeier entgegnete, dass sie ihre „politischen Akzente“ in der Regel selbst setzen. Später bekam er von einem Genossen aus dem Norden Bayerns die Information, dass es um den "strukturierten Angriff" auf den Kreisverband Niederbayern gehe und eben auch auf Vilsmeier.
 
Und dieser Angriff werde von Regensburg aus koordiniert.
 
Dieser Kreisverband hängt angeblich wohl am Tropf der Landespartei und er wird mit der linken Bundsetagsabgeordneten Eva Bulling Schröter intern in einen Zusammenhang gebracht.
 
Die von aussen initiierte und koordinierte Neuwahl wird größeren Schaden zur Folge haben.
 
Weder haben Vilsmeier noch die anderen Mitglieder des bisherigen KV-Vorstands ihre Ämter niedergelegt - noch wurde ein formell korrekter Abwahlantrag gestellt, so Vilsmeier.
 
Dennoch hat die Kreismitgliederversammlung des KV Niederbayern Mitte, bestehend aus 9 Mitgliedern, im Laufe der Sitzung kam ein weiteres Mitglied hinzu, wovon 6 Anwesende dem Kreisvorstand angehörten, mit einer Gegenstimme für die Durchführung von Neuwahlen votiert und diese unter Missachtung der Satzung durchgeführt, so Vilsmeier.
 
Diese Farce fand in Anwesenheit von Richard Spieß (Mitglied des geschäftsführenden Landesvorstand der PDL. Bayern) und Marina Mühlbauer (Mitglied des erweiterten Vorstands der PDL. Bayern) statt.
 
Beide kommen aus dem Nachbarkreisverband Regensburg, von wo aus die Neuwahl des Vorstandes des Kreisverbandes Niederbayern Mitte vorbereitet und koordiniert wurde.
 
Richard Spieß beantragte, um sicherzustellen, dass bei der Durchführung der Neuwahl keine "Fehler" passieren, Rederecht und stellte Anträge.
 
Die Versammlungsleitung wurde Hannes Keller vom Ortsverband München Nord übertragen. Hannes Keller hat Jürgen Meyer also mich im Vorfeld der Sitzung mehrfach angerufen und er versuchte den Vorgang zu beschwichtigen ohne die Vorwürfe und Ungereimtheiten auch gegen den Kreisverband bezüglich Coburg und Mitgliederstatistiken ausräumen zu können.
 
Stattdessen sprach er von teilweise beleglosen Vermutungen und Pauschalisierungen. Gemeint sind damit wohl Unregelmäßigkeiten und Angriffe gegen die innerparteiliche Opposition in den letzten Jahren, mit denen sich die Mandatsträger Thomas Händel, Claus Ernst, Harald Weinberg, Eva Bulling-Schröter und Nicole Gohlke die Macht innerhalb der PDL. Bayern sicherten.
 
Vilsmeier hatte, nachdem die Angriffe gegen ihn begonnen hatten, eine Datei aus dem Jahr 2010 in die Hände bekommen, die die Dateibezeichnung „Dossier0001-1-KE“ und enthält ein PDF-File, das eine Fax-Sendekennung trägt.
 
Das PDF-File enthält eine sog. „Analyse der Gegenkräfte im Landesverband Bayern“, die detaillierte Handlungsanweisungen zur Zersetzung der innerparteilichen Opposition, aka AKL (Antikapitalistische Linke) enthält.
 
Dieses Papier ist in der Folge erweitert worden um Namenslisten mit persönlichen Angaben zu „Gegenkräften“ und ihren Schwachpunkten, an denen sie am effektivsten zu verletzen und unter Druck zu setzen sind.
 
Da bei einem ersten Bekanntwerden des Papiers in 2011, der Landesvorstand die Authentizität des Papiers bestritten und behaupteten, die Autoren kämen nicht aus der Partei DIE LINKE. Bayern, die SZ, die taz, die Welt und viele andere Blätter berichteten damals darüber, hatte Vilsmeier damit begonnen, die zurückliegenden Jahre zu untersuchen und nach Fällen zu recherchieren, die Aufschluss darüber geben könnten, ob das Zersetzungspapier in die Praxis umgesetzt wurde.
 
Dabei stieß er auf eine große Zahl von Fällen und fand zahlreiche Belege und Zeugen die das Vorgehen gegen die innerparteiliche Opposition AKL bestätigten.
 
Diese veröffentlichte er in den zurückliegenden Wochen und geriet damit immer mehr unter Beschuss.
 
Vilsmeier sieht die „Neuwahl“ des Vorstandes in seinem Kreisverband Niederbayern Mitte als Fortsetzung dieser Aktionen und erkennt die Wahl des neuen Kreisvorstands jedenfalls nicht an, auch weil sie gegen die Regularien der Linkspartei in Bayern verstoße.
 
Er wird daher die Schiedskommission anrufen und gegebenenfalls auch ein ordentliches Gericht.
 
Die Begründung dafür ergibt sich für ihn weitgehend aus den Ausführungen von Rainer M. Lindner zu seinem gestrigen Beitrag auf Linksgruppen bei Facebook . - Ich zitiere: "... es [der KV Ndb-Mitte] ist eine Gliederung unserer Partei - und somit gelten unsere Regelwerke und das Parteiengesetz, dem wir alle unterliegen.
 
Basisdemokratie ist - zumindest im Manifest seiner Partei - ein festgeschriebenes Gut. Die Basis einer Gliederung wählt aus ihren Reihen Personen, denen sie für eine Amtszeit von i.d.R. 2 Jahren das Vertrauen ausspricht, diese Gliederung ist zum Wohle der Partei und im Sinne der Regeln und Programmatik der Partei zu führen. Dazu haben diese gewählten Vorstände gewisse Privilegien (Macht, Möglichkeiten), aber auch erweiterte Pflichten: sie müssen gegenüber der sie wählenden Basis Rechtfertigung bzw. Rechenschaft ablegen und die Verantwortung für ihre Arbeit übernehmen.
 
Ist die Basis der Meinung, ein Vertrauen vorzeitig (also vor Ablauf der Amtszeit) nicht mehr gewähren zu können, dann hat die Basis das Recht, diese Meinung demokratisch umzusetzen.
 
Dazu wird nach den Regeln der Linkspartei laut Satzung bzw der Regularien eine Versammlung der Basis einberufen (regulär oder außerordentlich). Entweder auf Verlangen der Basis oder aber mit der Mehrheit des gewählten Vorstandes. Das Vertrauen zu entziehen bedeutet, die demokratische Wahlentscheidung rückgängig zu machen - also eine Abwahl gegen eine/mehrere Personen zu verlangen.
 
Damit dieses demokratische Korrektiv nicht einfach missbraucht werden kann, gibt es gewisse formale Hürden, die einzuhalten sind: Die Abwahl muss in der Einladung zu der Versammlung klar und deutlich benannt werden (Abwahlantrag gegen XY, kurze Begründung oder Verweis auf mündliche Einbringung).
 
Der Abwahlantrag wird dann gemäß Tagesordnung bei der Versammlung aufgerufen und entsprechend der Regularien der Linkspartei behandelt.
 
Kommt bei der geheimen Abstimmung eine Mehrheit zustande, ist die betreffende Person ihres Amtes enthoben, kommt die Mehrheit nicht zustande, bleibt die Person bis zum regulären Ende der Amtszeit in Funktion.
 
Natürlich kann auch, besonders ein Vorstand, einem seiner Mitglieder das Vertrauen entziehen. Dies hat jedoch keine rechtliche Wirkung, weshalb in solchen Fällen diese Mitglieder normalerweise kollektiv von ihren Ämtern zurück treten (Schriftform notwendig).
 
Ein Organ selbst (also ein Vorstand) kann nicht per Mehrheitsbeschluss (außer einstimmig) seine Funktionsweise aufheben. Ist durch Rücktritt einiger Vorstände die Handlungsfähigkeit des Vorstandes (mindestens 3 gewählte Vorstände) nicht mehr gegeben, muss die übergeordnete Gliederung/Organ (Landesverband, Landesvorstand) schnellstmöglich eine geschäftsfähige Situation herbeiführen.
 
Dazu erfolgt (normal zusammen mit den verbliebenen Vorständen, Kraft Autorität aber auch in eigener Regie) eine Einladung der Mitglieder (Basis) um die notwendige Anzahl an Vorständen nachzuwählen. Die Handlungsunfähigkeit des Vorstandes führt nicht automatisch zur Aufhebung von bereits durchgeführten Wahlhandlungen. Das bedeutet: scheiden aus einem 5 köpfigen Vorstand 4 Vorstände aus, verliert der 5. gewählte Vorstand dadurch das Handlungsunfähigkeit eingetreten ist nicht automatisch ebenfalls sein Wahlmandat ! Wahlämter können nur abgegeben werden durch: Ende der Amtsperiode, Tod, Parteiaustritt, Abwahl durch die obersten Organe (=Mitglieder), Beschluss der Schiedskommission(en) oder Auflösung der Gliederung selbst und Rücktritt des Amtsinhabers/in (Verzicht).
 
Ob im genannten Kreisverband die Formalien eingehalten wurden bzw. heute noch werden, kann ich nicht beurteilen. Aber ich bitte meine GenossInnen in diesem Kreisverband, gerade in der angespannten Situation, darauf zu achten, dass ihr selbst - in eurem eigenen Interesse - keine demokratischen Handlungen vornehmt, die nicht den geltenden Regularien entsprechen, schrieb Lindner auf Facebook !
 
Rene Hähnlein behauptet auf Facebook hingegen, dass es einen solchen Abwahlantrag gegeben habe.
 
Das wird die Schiedskommission zu prüfen haben, wer hier den richtigen Standpunkt vertritt. Es wurde demnach eine Einladung verschickt, in der eine Neuwahl angekündigt wurde.
 
Vilsmeier hat im Protokoll vermerken lassen, dass er dafür keine Notwendigkeit sieht, weil sie im letzten Jahr erst den Vorstand neu gewählt hatten und in diesem Jahr, also vor wenigen Monaten, Yenni Kellermann und Dennis Neubert in den Vorstand gewählt hatten.
 
Kurz nachdem sie im Vorstand waren, hiess es plötzlich, das Vertrauen im Kreisverband sei zutiefst zerrüttet.
 
Deshalb vermutet Vilsmeier hier eine Intrige des Landesverbandes. Vilsmeier hatte eine KV Vorstandssitzung aufgebracht verlassen. In seiner Abwesenheit wurde dort dann eine neue Mitgliederversammlung beschlossen.
 
Zwischendurch war Richard Spieß noch mit den Dreien auf dem Gäubodenfest in Straubing, wo sie sich gemeinsam mit ihm fotografieren haben lassen. -
 
Das Foto wurde dann auf FB gepostet mit der Beschriftung Richard Spieß "ganz nah an der Basis!"
 
Da wurde Vilsmeier klar, dass Intrigen im Hintergrund gesponnen werden. Er spricht deshalb von einer Inszenierung des Landesverbandes.
 
In der Linkspartei gibt es nur eine Autorität, die eine verbindliche Sichtweise/Auslegung unseres Regelwerkes durchführen darf: die Landes-Schiedskommission, im Instanzenverfahren die Bundes-Schiedskommission - und danach ggf. ordentliche Zivilgericht unseres Landes. Niemand sonst ist befugt, eine _verbindliche_ Auslegung unserer Satzungen und Ordnungen vorzunehmen.
 
Deshalb liebe GenossInnen in Niederbayern-Mitte war sein Rat: "Achtet besonders darauf, dass ihr nicht in Versuchung geführt werdet, euer hohes demokratisches Recht der Wahl/Abwahl missbräuchlich - einer zugegeben angespannten Situation wegen - wahrzunehmen". Das würde nämlich noch weit größeren Schaden für die Linkspartei bedeuten, als alles, was bisher in den letzten Wochen schon an Schaden entstanden ist oder auch zukünftig vielleicht noch entstehen wird."
 
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IZ History: NPD - Neo Nazi Führer Thadden war britischer MI6 Agent  ( englisch)

NPD - Neo-Nazi leader Thadden 'was MI6 agent'

Germany's most notorious postwar neo-Nazi party was led by an intelligence agent working for the British, according to both published and unpublished German sources.

The alleged agent - the late Adolf von Thadden - came closer than anyone to giving the far-right real influence over postwar German politics.

Under his leadership, the National Democratic party (NPD) made a string of impressive showings in regional elections in the late 60s, and there were widespread fears that it would gain representation in the federal parliament.

Yet, according to a report earlier this year in the Cologne daily, the Kölner Stadt-Anzeiger, the man dubbed "the New Führer" was working for British intelligence throughout the four years he led the NPD, from 1967 to 1971.

However, a former senior officer in German intelligence told the Guardian this week that he had been informed of a much longer-standing link between Von Thadden and British intelligence. His recollection raises the question of whether the German far-right-winger was under the sway of M16 when he and others founded the NPD in 1964.

Dr Hans Josef Horchem, who was the head of the Hamburg office of the Verfassungsschutz - the West German security service - from 1969 to 1981, said he received regular visits from British intelligence liaison officers.

"We held general discussions on security. At one of these - I think it was towards the end of the 70s- they said, 'Adolf von Thadden was in contact with us', and that that was in the 1950s". Mr Horchem did not know whether the links between the German and British intelligence had continued into the 60s and 70s.

According to the Kölner Stadt-Anzeiger, whose report passed virtually unnoticed when it was published, the neo-Nazi leader met his British contact at a hotel in Hamburg.

Germany's government is currently trying to ban the NPD on the basis that its policies violate the constitution.

But the government's case is in danger of collapse after the disclosure that some senior NPD members were agents of the Verfassungsschutz. This has sparked debate about the extent to which counter-intelligence officers were sustaining the far right in their efforts to monitor it. Similar issues arise in Von Thadden's case.

The question also arises of whether MI6 was seeking help from the neo-Nazi movement when far-left militancy was sweeping Europe after the uprising of May 1968 in Paris.

Von Thadden left the NPD in 1975, and died at the age of 75 in 1996.

His younger sister, Barbara Fox von Thadden, said she had had no reason to suspect her brother worked for British intelligence. But she added that they had very different political views and steered away from political discussion.

They had an English grandmother, and Ms Fox von Thadden said her brother "did like coming to Britain, and did like Britain very much".

Israelischer Kriegsverbrecher Shimon Peres gestorben

Schimon Peres – Der Friedensstiftermythos

Vor wenigen Tagen starb Schimon Peres, israelischer Politiker und Friedensnobelpreisträger. Wer die Nachrufe liest, der könnte vermuten ein Held oder Pazifist sei gestorben, dies ist mitnichten so wie Ilan Pappe zeigt.

Die Nachrufe auf Schimon Peres erschienen schnell, sie wurden zweifellos schon verfasst, als bekannt wurde, dass er in ein Krankenhaus eingeliefert wurde. Das Urteil über sein Leben ist eindeutig und wurde schon von dem US-Präsidenten Barack Obama formuliert: Peres war ein Mann, der sich unablässig für Frieden im Nahen Osten einsetzte und so den Gang der Geschichte veränderte.

Peres der Friedensstifter?

Ich vermute, nur wenige beschäftigen sich in ihren Nachrufen auf Peres mit seinem Leben und seinem Handeln aus der Perspektive der Opfer des Zionismus und Israels.
Er hatte viele Ämter in der Politik inne, die große Auswirkungen auf Palästinenser allüberall hatten. Er war Generaldirektor des israelischen Verteidigungsministeriums, Verteidigungsminister, Minister für die Entwicklung Galiläas und der Wüste Negev (arabisch an-Nakab), Ministerpräsident und Präsident. In all diesen Funktionen trugen seine Entscheidungen und die von ihm verfolgte Politik zur Zerstörung des palästinensischen Volks bei und nicht das Geringste zur Förderung des Friedens und der Versöhnung zwischen Palästinensern und Israelis. Geboren als Szymon Perski im Jahr 1923 in einer Stadt, die damals zu Polen gehörte, wanderte Peres im Jahr 1934 mit seiner Familie nach Palästina aus. Als Jugendlicher besuchte er eine Landwirtschaftsschule und begann in der Bewegung der „Arbeiterzionisten“, die die Führung der zionistischen Bewegung und später des jungen Staats Israel stellten, aktiv zu werden. Als ein führender Jugendkader zog Peres die Aufmerksamkeit des Oberkommandos der Haganah, der jüdischen paramilitärischen Kräfte im von Großbritannien beherrschten Palästina, auf sich.

Peres und die Waffen

Im Jahr 1947 war Peres Vollmitglied der Haganah und wurde von dessen Führer David Ben-Gurion ins Ausland geschickt, um Waffen zu beschaffen, die später in der Nakba von 1948, der ethnischen Säuberung Palästinas, eingesetzt wurden und gegen arabische Streitkräfte, die in demselben Jahr nach Palästina vordrangen. Nach einigen Jahren Auslandsaufenthalt, vor allem in den Vereinigten Staaten, wo er Waffen erwarb und die Infrastruktur für die israelische militärische Industrie aufbaute, kehrte er zurück und wurde Generaldirektor des Verteidigungsministeriums.
Peres war aktiv an dem Zustandekommen des Geheimabkommens Israels mit Großbritannien und Frankreich beteiligt, mit dem der Überfall auf Ägypten im Jahr 1956 vorbereitet wurde. Dafür wurde Israel von Frankreich mit den notwendigen Mitteln für den Bau von Atomwaffen belohnt. Tatsächlich war es Peres selbst, der im Wesentlichen das geheime Atomwaffenprogramm Israels beaufsichtigte.

Peres und die Palästinenser

Nicht weniger wichtig war Peresʼ Eifer, unter Anleitung von Ben-Gurion Galiläa zu judaisieren. Trotz der ethnischen Säuberung von 1948 war dieser Teil Israels immer noch weitgehend palästinensisches Land und palästinensische Landschaft.
Peres stand auch hinter der Idee, palästinensisches Land zu beschlagnahmen, um dort exklusive jüdische Städte wie Karmiel und Obernazareth zu bauen und Armeestützpunkte in der Region zu errichten, um die territorialen Verbindungen zwischen den palästinensischen Dörfern und Städten zu unterbrechen. Diese Zerstörung der palästinensischen Landschaft führte zum Verschwinden der traditionellen palästinensischen Dörfer und zur Transformation der Bauern in eine arbeitslose und sozial benachteiligte städtische Arbeiterklasse. Das ist die trostlose Realität bis heute.

Aber der Friedensnobelpreisträger Peres war alles anderes als ein Mensch des Friedens. Bereits 1947 war er für den Waffenkauf der zionistischen paramilitärischen Organisation „Haganah“ verantwortlich, und damit auch für die Vertreibung der palästinensischen Bevölkerung, die „Nakba“ (Katastrophe). Seitdem blieb er eine wichtige Figur in der Kolonialgeschichte Palästinas, mal im Vordergrund, mal im Schatten. Als „Minister für die Entwicklung des Negev und Galiläas“ leitete er Verdrängung von Palästinenser*innen innerhalb des heutigen israelischen Territoriums und die Errichtung segregierter jüdischer Städte. Als Außenminister von Yitzhak Rabin hat er eine wichtige Rolle beim Oslo-Abkommen gespielt, das Palästina in ein Land von zerstückelten, abhängigen Mini-Staaten (oder „Bantustans“) verwandelte.


Dunkle Kapitel

Manche Kapitel im Lebenslauf Peres sind besonderes dunkel. 1996 war er geschäftsführender Regierungschef anstelle des ermordeten Rabins. Damals befahl er die „Operation Früchte des Zorns“. Zweck der militärischen Offensive war die Bombardierung von Dörfern im Süden Lebanons als Vergeltung für Angriffe der Hisbollah. Am 18. April hat das israelische Militär einen Posten der UNIFIL bombardiert, 106 Zivilist*innen und UN-Beobachter*innen kamen dabei ums Leben. Israelischen Blogs zufolge reagierte Peres ein Paar Tage später darauf mit dem Satz: „Die verdammten Araber, sie wissen nicht, was für sie gut ist“.

Peres ein Meister der Siedlungspolitik

Peres verschwand eine Zeit lang von der politischen Bühne, als sein Herr und Meister, Ben-Gurion, Israels erster Ministerpräsident, im Jahr 1963 von einer neuen Generation politischer Führer an den Rand gedrängt wurde. Nach dem Krieg von 1967 kam er zurück und wurde gleich als Minister verantwortlich für die besetzten Gebiete. In dieser Funktion legitimierte er – meist erst im Nachhinein – die Besiedlungskampagne im Westjordanland und im Gasastreifen.
Wie so viele von uns heute wissen, war im Jahr 1977, als die Likudpartei an die Macht kam, die offen für die Siedlungspolitik insbesondere im Westjordanland eintrat, eine Zweistaatenlösung schon nicht mehr denkbar.
Im Jahr 1974 verband sich Peresʼ politische Laufbahn engstens mit seinem Erzfeind Jitzhak Rabin. Die beiden Politiker konnten sich nicht ausstehen, mussten aber im Interesse des politischen Überlebens zusammenarbeiten. Hinsichtlich der Strategie Israels mit Blick auf die Palästinenser teilten sie jedoch die Vorstellung des zionistischen Siedlerkolonialismus, sich so viel palästinensisches Land mit so wenigen Palästinensern wie möglich anzueignen. Sie arbeitete auch gut bei der gewaltsamen Unterdrückung des im Jahr 1987 beginnenden palästinensischen Aufstands, der Intifada.
Peresʼ erste Funktion in dieser schwierigen Partnerschaft war seine Aufgabe als Verteidigungsminister in Rabins Regierung im Jahr 1974. Die erste reale Krise, die Peres zu bewältigen hatte, bestand in der rasanten Ausweitung der Siedleraktivitäten der messianischen und terroristischen Bewegung Gusch Emunim in und um Nablus, einer Stadt im Westjordanland.
Im Jahr 1976 war Peres zuständig für die Regierungspolitik in den besetzten Gebieten und war überzeugt davon, dass er ein Abkommen mit Jordanien schließen könne, wonach das Westjordanland von Jordanien verwaltet, aber faktisch unter israelischer Herrschaft stehen würde.
Er ließ Kommunalwahlen im Westjordanland durchführen, aber zu seiner großen Überraschung – und Enttäuschung – wurden die Kandidaten gewählt, die mit der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) identifiziert wurden und nicht mit denen, die loyal zur haschemitischen Monarchie Jordaniens standen.
Peres hielt dennoch nach 1977 als Oppositionsführer und später, als er in der Koalition mit der Likudpartei in den Jahren 1984 bis 1988 wieder an die Macht zurückkehrte, an der „jordanischen Lösung“, wie er es nannte, fest. Auf dieser Grundlage drängte er weiter auf Verhandlungen, bis König Hussein im Jahr 1988 entschied, jede politische Verbindung zwischen Jordanien und dem Westjordanland zu kappen.

Israels internationales Gesicht

In den 1990er Jahren konnte die Welt einen gereifteren Peres erleben. Er war Israels internationales Gesicht, in der Regierung wie auch außerhalb. Er spielte diese Rolle selbst noch dann, als Likud zur stärksten politischen Kraft im Land aufstieg. In Rabins Regierung Anfang der 1990er Jahre, als Ministerpräsident nach der Ermordung Rabins 1995 und dann als Minister im Kabinet von Ehud Barak in den Jahren 1999 bis 2001 war Peres Motor eines neuen Konzepts, das er „Frieden“ nannte.
Statt sich die Verwaltung des Westjordanlands und des Gasastreifens mit Jordanien und Ägypten zu teilen, setzte er jetzt darauf, dass die PLO diese Arbeit übernahm. Der Führer der PLO, Jassir Arafat, war dazu bereit, vielleicht weil er hoffte, auf diese Weise einen Weg zur Befreiung Palästinas zu finden.
Dieses Konzept schlug sich in dem Osloer Abkommen von 1993 nieder und wurde mit großer Begeisterung von Israels internationalen Verbündeten aufgenommen.
Peres war führender Botschafter dieser Farce eines Friedensprozesses, der Israel als internationaler Schirm diente, auf dem Boden Fakten zu schaffen und Israel in einen noch größeren Apartheidstaat zu verwandeln, gesprenkelt mit kleinen palästinensischen Enklaven – Bantustans, wie sie in dem Apartheidstaat Südafrika hießen.
Dass er den Friedensnobelpreis für einen Prozess erhielt, der den Ruin Palästinas und seines Volks noch beschleunigte, ist ein weiteres Zeugnis für das Unverständnis, den Zynismus und die Apathie angesichts des Leidens der Palästinenser.
Wir haben das Glück, in einer Zeit zu leben, in der die internationale Zivilgesellschaft diese Farce entlarvt hat und mittels der Bewegung für Boykott, Investitionsabzug und Sanktionen (BDS) und der wachsenden Unterstützung für die Einstaatenlösung einen hoffnungsvolleren und echten Weg nach vorne weist.

Peres und das Massaker von Kana

Als Ministerpräsident hat Peres noch einen besonderen „Beitrag“ zu der Geschichte des Leidens von Palästinensern und Libanesen geleistet. Als Reaktion auf die endlosen Scharmützel zwischen der libanesischen Hisbollah und der Israelischen Armee in Südlibanon, wo die Hisbollah und andere Gruppen Widerstand gegen die im Jahr 1982 beginnende israelische Besetzung leisteten (beendet erst nach der Niederlage Israels im Jahr 2000), befahl Peres im April 1996 die Bombardierung des Gebiets. In diesem Feldzug, genannt Operation „Früchte des Zorns“, wurden über 100 Leute getötet – Zivilisten, die vor dem Artillerieangriff flohen, und Mitglieder einer UN-Friedenstruppe in Fidschi, nahe dem Ort Kana.
Trotz einer Untersuchung der Vereinten Nationen, die Israels Behauptung, es habe sich um ein Versehen gehandelt, für „unwahrscheinlich“ hielten, änderte dieses Massaker nichts an Peresʼ internationalem Ansehen als „Friedensstifter“. Im 21. Jahrhundert war Peres eher eine Symbolfigur als ein aktiver Politiker. Er gründete das Peres-Zentrum für Frieden, gebaut auf beschlagnahmtem Land palästinensischer Flüchtlinge in Jaffa. Dort wird weiterhin die Vorstellung von einen palästinensischen „Staat“ im Rahmen einer Zweistaatenlösung propagiert – wobei diese Palästina kaum über Land und über keine echte Unabhängigkeit oder Souveränität verfügen würde.
Das wird niemals funktionieren, aber wenn die Welt weiterhin an Peresʼ Erbe festhält, wird das Leiden der Palästinenser weitergehen.
Schimon Peres verlieh dem Zionismus mit seiner angeblichen Friedenspolitik eine hübscheren Anstrich, aber die Tatsachen sprechen eine andere Sprache. Er war mitverantwortlich das Leiden und die Konflikte im Nahen Osten. Die Wahrheit zu kennen, hilft uns dabei, einen Weg nach vorne zu finden und die Ungerechtigkeiten aus der Welt zu schaffen.

Die gemischt palästinensisch-jüdische  linke „Vereinte Liste“ im israelischen Parlament hat sich geweigert, an dem zionistischen Theater teilzunehmen. Auch wir sollten uns weigern. Denn Shimon Peres hatte viel Blut, Leid und Trauer zu verantworten.

In der palästinensischen Stadt Jaffa im heutigen Israel – auf Land, das von palästinensischen Geflüchteten gestohlen wurde –, hat Peres vor 20 Jahren ein großes Forschungszentrum errichtet. Wie eine gepanzerte Festung erhebt sich das Stahl-und-Glass Gebäude über die palästinensische Nachbarschaft. Der Name des Zentrums, der Peres selbst ausgesucht hat: „Das Peres-Zentrum für Frieden“.

Zum Autor:  Ilan Pappe ist Verfasser mehrerer Bücher und Professor für Geschichte an dem Europäischen Zentrum für Palästinaforschung an der Universität Exeter, Großbritannien

Zum Text: Zuerst erschienen bei Electronic Intifada am 28. September 2016. Aus dem Englischen von Rosemarie Nünning

Zuerst erschienen auf Marx21

Text leicht ergänzt