USA geben erstmal Chemiewaffeneinsatz von Assad-Gegnern in Syrien zu 

US Waffenpartnerschaft mit marxistischen YPG/PKK- Rebellen 

Erstmals hat die US- Regierung im Rahmen einer Reisewarnung den Einsatz von Chemiewaffen durch die "reformierte" Al Nusra Front in Syrien zugegeben, die an der Seite der FSA gegen Assad kämpft.

Gleichzeitig haben sich die USA in Syrien neue marxistisch-kurdische Verbündete der YPG/PKK als Waffenpartner gesucht, die im Rahmen einer nordsyrischen SDF-Allianz in syrischen Bürgerkrieg mitmischt. 

Die USA haben in Syrien auf dem Gebiet der Kurden-Miliz YPG mittlerweile sieben Militärbasen gebaut. RT Deutsch sprach mit Analysten und Journalisten aus Russland, Syrien und der Türkei über die Auswirkungen der US-Allianz mit der YPG.

Die USA bauten zwei Militärflughäfen in Hasaka, einen in Kamischli, zwei in al-Malekiyeh und einen in Tall Abyad an der Grenze zur Türkei. Hinzu kommt ein Militärzentrum in der Stadt Manbidsch, im Nordosten der Provinz Aleppo. Dies bestätigte jüngst der militärische Führer der syrischen Kurden-Miliz YPG ("Volksverteidigungseinheiten") Sipan Hamo.

Den Aussagen des Kommandeurs zufolge stationierte Washington zudem 1.300 Soldaten auf den Militärbasen in Nordsyrien.

Dimitri Stefanovich von der staatlichen Denkfabrik Rat für internationale Angelegenheiten Russlands erklärte im Gespräch mit RT Deutsch über die US-Allianz mit der kurdischen YPG:

Die Kurden generell und die YPG als Teil der so genannten Demokratischen Kräfte Syriens sind ein Instrument der USA.

Exklusiv: USA wollen Ost-Syrien von Damaskus abspalten

Der Analyst mit Fokus auf militärische Fragen sagte, dass die USA kein Interesse an einer Unabhängigkeit der Kurden haben, weil das zu erheblichen Konflikten mit dem NATO-Partner Türkei und dem Satellitenstaat Irak führen würde.

Kurzfristig braucht man die YPG als Speerspitze im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat. Mittelfristig ist das Engagement entscheidend, um die Länder zu beeinflussen, die eine große kurdische Minderheit aufweisen, wie die Türkei, Irak, Iran und natürlich Syrien", sagte Stefanovich.

Aktive Präsenz der YPG steigert das Eskalationspotenzial

Auf die Frage, welche Auswirkungen die US-Allianz mit der YPG auf die Beziehungen zu Russland und zur syrischen Regierung al-Assads hat, sagte Stefanovich:

Wenn die USA die YPG als Argument im Syrien-Konflikt einsetzen und umstrittene Territorien zusammen mit den Kurden erobern – ich erinnere an den US-Abschuss des syrischen Su-22-Kampfflugzeuges, dann verschlechtert sich die Situation dramatisch.

Mit Blick auf die Türkei, die die YPG als Erzfeind ansieht, merkte der Militärexperte aus Russland an:

Russland und Damaskus halten bisher einen türkischen Angriff gegen die kurdische YPG zurück. Hinzu kommt, dass die stärksten Einheiten der syrischen Armee und YPG Kontakt im Raum Rakka haben, was zu anderen Eskalationsoptionen führen kann.

Der syrisch-libanesische Journalist Wael al-Husseini, der für das Nachrichtenportal Al Masdar und das Online-Magazin Russia Insider schreibt, warnte gegenüber russischen Medien, dass das separatistische Verhalten der Kurden die Beziehungen der Syrer untereinander in erheblicher Weise belasten wird.

Al-Husseini fügte hinzu:

Ich weiß, dass es viele Kurden gibt, die eine Unabhängigkeit als Ziel für den Krieg in Syrien ausgemacht haben. Auch vor den Krieg hatten Kurden schon diesen Traum von einem Kurdistan in Syrien, im Irak und der Türkei.

Der Journalist ist auch davon überzeugt, dass die Kurden wussten, worauf sie sich anlassten, als sich sich mit den USA verbündeten. Al-Husseini weiter:

Mit dem Eintritt Russlands in Syrien war für die YPG klar, dass sie sich mit den USA gegen Russland verbinden werden.

Der bekannte türkische Journalist der Tageszeitung Sabah, Ragip Soylu, der auch als deren Washington-Korrespondent arbeitet, wies russische Medien darauf hin, dass sich die USA offenbar auch im westlichen Kurden-Kanton Afrin hinter die YPG stellen. In diesem Gebiet haben die USA militärisch kaum Bedeutung. Die Region wird von russischen und türkischen Militärpräsenzen dominiert.

Dennoch warnte ein US-Beamter Russland und die Türkei vor einer Reaktion gegen den US-Schützling YPG, wie die Tageszeitung Sabah berichtet. Der US-Beamte sagte:

Wir wollen unsere Botschaft bekräftigen, dass jede Aktion mit kompletter Transparenz gegenüber dem Rest der Koalition durchgeführt werden muss.

In einer anderen Aussage betont der US-Beamte auf der Nachrichtenseite ARA News, die später von der Seite gelöscht wurde, mit Blick auf die Zeit nach der Zerschlagung des IS:

Die USA haben ein echtes Interesse an der Beibehaltung des Einflusses in Syrien.

USA bauen mit FSA ihre YPG-Allianz unter SDF-Schirm in Nordsyrien aus

Ein politischer Berater der FSA-Rebellengruppe Maghawir al-Thawra, Abu Yakub, teilte vor wenigen Tagen öffentlich mit, dass die USA eine weitere Basis für die mit ihnen verbündeten Milizen in Syrien bauen werden. Diese soll in der nordöstlichen Stadt al-Schadaddi enstehen. Die USA wollen mit ihren verbündeten Milizen die Region der strategischen Provinz Deir ez-Zor in Ostsyrien einnehmen, auf die gegenwärtig auch die mit Russland verbündete syrische Armee eine Offensive gestartet hat. Die Stadt al-Schadaddi liegt in der Nähe von lukrativen Ölfeldern in der Provinz.

Die Basis in al-Schadaddi wäre die dritte Militärbasis neben den bereits bestehenden Präsenzen in Südostsyrien, al-Tanf und al-Zakaf, auf der Kämpfer von al-Maghawir al-Thawra und so genannte westliche Koalitionstruppen stationiert sind. Eine namentlich nicht genannte Geheimdienstquelle, die von einem pro-iranischen Nachrichtenportal zitiert wurde, berichtet inzwischen, dass die USA ihre modernen Raketenwerfersysteme vom Typ HIMARS im Raum al-Tanf stationierten. "Sie festigen die dortige Militärpräsenz der USA", sagte die Quelle. Auch auf dem Territorium der PKK-nahen YPG-Miliz unterhalten die USA seit Längerem HIMARS-Waffensysteme. Dieses System hat eine effektive Schussreichweite von 300 Kilometern.

Die Pressesprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, kommentierte die Entwicklung in Südsyrien kritisch:

Das ist ein aktives Aufbäumen der US-Militärpräsenz in den südlichen Regionen des souveränen Syriens. Es ist eine Verletzung des internationalen Rechts.

Die USA werden zudem verdächtigt, den IS weiterhin den IS in Syrien zu unterstützen, den sie offiziell bekämpfen. 

Das US-Außenministerium hat auch eingeräumt, dass Kämpfer, die mit der Al-Nusra-Front in Verbindung stehen, in Syrien Terroranschläge mit chemischen Waffen verüben. Moskau betont, dass es sich dabei um das erstes Eingeständnis dieser Art durch die USA handelt.

Die Erklärung war Teil der jüngsten Reisewarnung für Syrien, die am Mittwoch vom Außenministerium herausgegeben wurde. Auch der sogenannte "Islamische Staat" wurde darin erwähnt.

"Terroristische und andere gewalttätige extremistische Gruppen, darunter auch die mit dem IS und Al-Qaida in Verbindung stehende Gruppe Hayat Tahrir Al-Sham [von dem Al-Qaida-Partner Jabhat Al-Nusra, einer designierten ausländischen Terrororganisation, beherrscht], operieren in Syrien", heißt es in der Reisewarnung.

Moskau: Terroristen planen inszenierte C-Waffen-Attacken, um Vorwand für US-Angriffe zu schaffen

Zu den Taktiken von ISIS, Hayat Tahrir al-Sham und anderen gewalttätigen extremistischen Gruppen gehören der Einsatz von Selbstmordattentätern, Entführungen, leichte und schwere Waffen, improvisierte Sprengkörper und chemische Waffen", heißt es.

Die Terrorgruppen haben es gezielt auf Straßensperren, Grenzübergänge, Regierungsgebäude und andere öffentliche Bereiche in den großen syrischen Städten Damaskus, Aleppo, Hama, Daraa, Homs, Idlib und Deir ez-Zor abgesehen, räumte das US-Außenministerium ein.

Unterdessen erklärte das russische Verteidigungsministerium, dass von Washington ein Präzedenzfall gesetzt worden sei, als es bestätigte, dass die mit Al-Nusra verbundenen Terroristen in Syrien chemische Waffen einsetzen.

"Dies ist die erste offizielle Anerkennung des Außenministeriums, die nicht nur der Anwesenheit, sondern auch den Einsatz chemischer Waffen durch Al-Nusra-Terroristen zur Durchführung von Terroranschlägen, vor denen wir wiederholt gewarnt haben", kommentierte General Igor Konaschenkow, Sprecher des Ministeriums, am Freitag.

Zuvor berichtete das US-Militär über chemische Angriffe in Syrien. Im vergangenen November sagte Oberst John Dorrian, ein Sprecher der US-geführten Koalition im Irak, dass sie "über den Einsatz chemischer Waffen durch den 'Islamischen Staat' besorgt" sei.

"[Der IS] hat sie in der Vergangenheit im Irak und in Syrien verwendet, und wir erwarten, dass sie weiterhin diese Arten von Waffen einsetzen", so Dorrian in einem E-Mail-Statement an die New York Times.

Der Militärsprecher gab an, dass die Fähigkeit der Terroristengruppe, chemische Angriffe durchführen zu können, "rudimentär" sei und fügte hinzu, dass die Streitkräfte der USA, Iraks und anderer Koalitionen in der Lage seien, die Auswirkungen dieser Angriffe zu bewältigen, zu denen "Raketen, Mörsergranaten oder Artilleriegranaten, die mit chemischen Mitteln gefüllt sind" zählen.

Anfang April schossen die USA als Reaktion auf einen angeblichen Chemiewaffenangriff in der syrischen Provinz Idlib, 59 Tomahawk-Raketen auf die syrischen Militärbasis Schairat, wo Dutzende Zivilisten, darunter auch Kinder, in dem von Rebellen besetzten Gebiet an einer Gasvergiftung starben. Washington zeigte prompt, mit dem Finger auf die syrische Regierung, die sie für den Vorfall verantwortlich machten.

Moskau erklärte dazu, dass die internationalen Bemühungen zur Untersuchung des angeblichen chemischen Angriffs nicht dazu beitragen, harte Fakten zu schaffen.

Es gibt einen gemeinsamen Ermittlungsmechanismus [JIM], der 2015 von den Vereinten Nationen und der Organisation für das Verbot chemischer Waffen eingerichtet wurde, um diejenigen zu finden, die hinter der Verwendung chemischer Waffen in Syrien stecken", sagte Mikhail Uljanow, Leiter der Abteilung für Sicherheit und Abrüstung im russischen Außenministerium, laut der Nachrichtenagentur TASS.

Er sagte, dass die Experten des gemeinsamen Ermittlungsmechanismus den Flugplatz Schairat am 8. und 9. Oktober besucht haben, aber keine Bodenproben vor Ort genommen haben.

"Die JIM [Mitarbeiter] weigern sich kategorisch, diese wichtige Funktion auszuüben", sagte der Diplomat und fügte hinzu:" Wir können nicht sagen, dass diese Untersuchung von irgendeiner Qualität ist ... das ist ein unprofessioneller Ansatz, der gewaltige Fragen aufwirft."

 

 

IS Terrorist Anis Amri wurde wohl von einem V- Mann der Staatssicherheit angestachelt 

In der IZ war  es von Anfang an zu lesen - nach Monaten muss auch der Staatsfunk ARD/RBB einräumen, dass der Weihnachtsmarkt-Attentäter vom Berliner Breitscheidplatz, Anis Amri, von einem Staatsspitzel angeleitet und angestachelt worden sein könnte.

Der Berliner Weihnachtsmarkt-Attentäter Anis Amri könnte von einem V-Mann des Landeskriminalamts NRW zu seiner Tat angestachelt worden sein. Der Spitzel der Staatssicherheit soll in Islamistenkreisen für Anschläge geworben haben.  

Eine wichtige Bezugsperson des Terroristen Anis Amri in der militanten Islamistenszene war ein V-Mann des Landeskriminalamts Nordrhein-Westfalen. Recherchen des rbb und der "Berliner Morgenpost" belegen nun, dass die sogenannte Vertrauensperson VP-01 frühzeitig Islamisten zu Anschlägen in Deutschland angestachelt haben soll. Laut einem Zeugen war dabei auch von einem Anschlag mit einem Lkw die Rede.

Zeuge berichtet über möglichen Lkw-Anschlag

Die vom Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen (LKA) auf den Terroristen Anis Amri angesetzte Vertrauensperson hat der Recherche zufolge diverse Mitglieder der IS-nahen Abu-Walaa-Gruppe und womöglich auch Amri selbst zu Anschlägen animiert.

Laut der Ermittlungsakten hatte ein Mitglied der Gruppe bereits kurz nach dem Anschlag gegenüber dem LKA ausgesagt: Die Vertrauensperson mit dem Kürzel VP-01 habe "immer wieder" mitgeteilt, "dass man Anschläge in Deutschland verüben solle". Ein ehemaliger Anhänger der Abu-Walaa-Gruppe sagte dem rbb,  VP-01 sei sogar "der Radikalste" gewesen.  

Die meisten Gruppenmitglieder hätten nicht über Anschläge in Deutschland gesprochen, da sie nach Syrien zum Kämpfen ausreisen wollten. VP-01 habe mehrmals zu Mitgliedern der Gruppe gesagt: "Komm, du hast eh keinen Pass, mach hier was, mach einen Anschlag." Die Vertrauensperson des LKA sei häufig mit Amri unterwegs gewesen und habe ihn in seine Unterkünfte gefahren. Bekannt war bisher nur, dass er Amri nach Berlin gefahren hatte.

Der Kriminologe Tobias Singelnstein kritisierte den Einsatz von VP-01. V-Personen dürften "nicht den agent provocateur spielen". Dies wäre eine "rechtsstaatswidrige Tatprovokation". V-Personen dürften nur "passiv Informationen entgegennehmen", anstatt andere zu Straftaten anzustiften. Weltweit halten sich aber Geheimdienste nicht an diese Vorgaben.

Den Bart abrasieren, um nicht als Islamist aufzufallen

Das LKA Nordrhein-Westfalen hielt die Aussage eines Zeugen über das Verhalten von VP-01 laut einem Vermerk vom Dezember 2016 nicht für richtig und unterstellte dem Zeugen, damit von eigenen "strafrechtlich relevanten Taten" abzulenken.

Gegenüber dem rbb und der "Berliner Morgenpost" bestätigten jetzt drei Anwälte unabhängig voneinander diese Vorwürfe gegen die Vertrauensperson VP-01. Der Düsseldorfer Strafrechtsanwalt Johannes Pausch sprach von "förderndem Verhalten" des V-Mannes gegenüber einem Mandanten, der bereits wegen Vorbereitung eines Sprengstoffanschlages verurteilt wurde.

So habe VP-01 bei Fragen nach einem Anschlag gesagt, sein Mandant solle sich den Bart abrasieren, um nicht als Islamist aufzufallen. Auch habe VP-01 "Einkaufszentren" als Anschlagsziele ins Spiel gebracht. Anwalt Pausch sieht hierin eine klare Grenzüberschreitung der Befugnisse von V-Leuten. Er halte dieses Verhalten seinem Mandanten gegenüber für "unverantwortlich", kritisiert Pausch.

Der Frankfurter Rechtsanwalt Ali Aydin bestätigte dem rbb und der "Berliner Morgenpost", er wisse aus eigener Recherche, dass der V-Mann zu mehreren Personen aus der Abu Walaa-Gruppe gesagt haben soll: "Lasst uns diese Ungläubigen töten, wir brauchen gute Männer, damit wir hier in Deutschland Anschläge verüben können." Aydin betont, dass er für diese Aussage nicht nur eine Quelle habe. Für ihn sei klar, dass der V-Mann zu Anschlägen "angestachelt" habe. Rechtsanwalt Aydin fordert Ermittlungen, ob VP-01 auch direkt auf Anis Amri eingewirkt habe, einen Anschlag zu begehen.

"Ein agent provocateur im Dienste des Staates"

Auch der Bonner Strafverteidiger Michael Murat Sertsöz berichtet ähnliches. Sein Mandant Mikail S., der kürzlich wegen des Verbreitens von Terrorpropaganda verurteilt wurde, habe ihm berichtet, dass VP-01 ihn mehrfach aufgefordert habe, sich eine Waffe zu besorgen und "Aktionen" durchzuführen. "So wie Mikail das Verhalten der VP-01 geschildert hat, handelte dieser wie ein agent provocateur im Dienste des Staates", sagte Sertsöz.
Bei einer Befragung durch das LKA bestritt VP-01 die Vorwürfe und wies darauf hin, er habe sich entsprechend seinem Auftrag "immer als anschlagsbereit" gezeigt, um an Informationen zu gelangen.

Das LKA Nordrhein-Westfalen verweigerte die Auskunft zu den Vorwürfen gegen VP-01 mit Verweis auf laufende Gerichtsverfahren und den Untersuchungsausschuss zum Fall Amri in Nordrhein-Westfalen.

Hinweis: In einer früheren Version des Artikels war im Teaser von einem V-Mann des Verfassungsschutzes die Rede. Das war falsch. Es handelt sich (wie auch im Text weiter unten zu lesen) um einen V-Mann des Landeskriminalamts Nordrhein-Westfalen. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

 

Sendung: Inforadio, 19.10.2017, 17.00 Uhr

 

 

Fraktionschefin Sahra Wagenknecht weist Parteichefin Katja Kipping in die Schranken 

Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch erscheinen nach zwei hitzigen Klausurtagen als Sieger des Machtkampfs bei der Linken. Doch ob das interne Gewitter nun wirklich vorbeizieht, ist offen.

Bernd Riexinger soll laut Konzernmedien Sahra Wagenknecht wegmobben zu wollen. 

Nach der offiziellen Beilegung des Machtkampfs bei der Linken hat Fraktionschefin Sahra Wagenknecht die Parteivorsitzenden in die Schranken gewiesen.

„Eigentlich hat niemand den Job, die Linke dadurch zu diskreditieren, dass weiter solche Grabenkämpfe stattfinden”, sagte Wagenknecht nach einer Fraktionsklausur mit vielen heftigen Debatten in Potsdam. „Und das sollte auch jeder begreifen.”

Zwar nannte Wagenknecht die Parteichefs Katja Kipping und Bernd Riexinger nicht beim Namen, machte aber deutlich, wen sie meinte. „Ich finde jeder, der eine bestimmte Funktion hat, hat eine verdammte Verantwortung, jetzt zu dem zurückzukehren, was sein Job ist.” So müssten sich die Parteichefs etwa um neue Mitglieder kümmern. Der Job der Fraktion sei es, angesichts einer Jamaika-Koalition gute Oppositionsarbeit zu leisten.

Vor der Klausur hatte es eine Schlammschlacht gegeben. Riexinger bestritt kolportierte Äußerungen, nach denen er Wagenknecht wegmobben wolle. Wagenknecht beschrieb in einem vierseitigen Brief an die Abgeordneten, wie sie sich über lange Zeit als Zielscheibe von Intrigen der Parteichefs aus dem Hinterhalt gesehen hatte. Sie drohte mit Rückzug, falls Anträge durchkommen sollten, die aus ihrer Sicht auf eine Entmachtung von ihr und Co-Fraktionschef Dietmar Bartsch hinausgelaufen wären.

Der Antrag, den Parteichefs ein Stimmrecht im Fraktionsvorstand zu geben, wurde zurückgezogen. Sie haben aber erweitertes Rederecht im Bundestag bekommen. Wagenknecht wurde dann mit 75,4 Prozent, Bartsch mit 80 Prozent wiedergewählt. Bartsch wertete das Ergebnis als Stärkung. „Ich freue mich sehr, dass die Klausur so gelaufen ist, wie sie gelaufen ist”, sagte Wagenknecht.

Grabenkämpfe trügen nicht zu Begeisterung für die Politik bei den Menschen bei, mahnte die Frau von Oskar Lafontaine. „Wir müssen das dringend beenden, das darf man so eben auch nicht weitermachen.” 

Bartsch schloss nicht aus, dass die innerparteilichen Konflikte weitergehen: „Nach dem Gewitter wissen Sie ja auch nicht, ob es das reinigende war oder ob noch was kommt, Donner und Gewitter.” Die erneut als Bundestagsvizepräsidentin nominierte Petra Pau forderte im MDR: „Schluss mit Kindergarten”.

Anhaltende Animositäten zeigten sich schon am Morgen. Kipping warf Wagenknecht mangelnde Souveränität vor. „Ich hab gedacht: Ok, souverän geht anders”, sagte Kipping in der ARD. Kipping meinte damit die Zurechtweisung von Riexinger durch Wagenknecht. Riexinger hatte nach der Wiederwahl von Wagenknecht und Bartsch am Abend mit einem Statement vor den Medien begonnen. Daraufhin schnitt Wagenknecht ihm das Wort ab: „Bernd, das ist die Pressekonferenz der Fraktion.” Die frisch als Vizefraktionschefin gewählte Sevim Dagdelen sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Sahra Wagenknecht hat mehr als deutlich gemacht, was souverän ist.”

Bartsch forderte von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nachdrücklich ein, in den Jamaika-Sondierungen schnell zu Inhalten zu kommen. Er musste aber zugleich das weitgehende Ausbleiben inhaltlicher Positionierungen bei der Linken-Klausur einräumen. So habe die Zeit gefehlt, eine gemeinsame Linie für den Umgang mit der AfD zu debattieren. Den AfD-Kandidaten als Bundestagsvizepräsident werde die Linke aus inhaltlichen Gründen aber nicht wählen.

Nicht ausgetragen ist etwa der Streit um Flüchtlingspolitik. „Die Forderung „offene Grenzen für alle Menschen” ist eine schöne Forderung für eine andere Welt”, sagte Wagenknecht. Es brauche eine Debatte über eine sinnvolle linke Position zur Flüchtlingsfrage. Lafontaine hatte der Linken eine verfehlte Flüchtlingspolitik vorgeworfen, Kipping daraufhin vor einem Rechtskurs gewarnt.

In Potsdam wählte die Linke auch den Fraktionsvorstand fast komplett neu. Zu Leitern politischer Arbeitskreise und zugleich Vize-Chefs der Fraktion wurden Klaus Ernst, André Hahn, Gesine Lötzsch, Petra Sitte und Sabine Zimmermann bestimmt. Dagdelen und Caren Lay wurden ebenfalls zu Fraktionsvizechefs gewählt, neuer Parlamentarischer Geschäftsführer ist Jan Korte.

dpa 

SPD will  weiter für Linke unwählbare Nato-Kriegspartei bleiben 

Auch unter der neuen SPD- Fraktionschefin Nahles wird ein echter Wandel der SPD weg von Imperialismus- und  Kriegsbefürwortung ausbleiben .

Auch sozialpolitisch ist eine Abwendung von der Agenda 2010-Politik im Kern immer noch nicht erkennbar. Das Hartz IV Zwangsregime soll erhalten werden - eine Grundsicherung wird weiterhin abgelehnt. Auchg eine Vergesellschaftung der Global Player Weltkonzerne diverser Branchen wird immer noch nicht angestrebt. 

Diese SPD ist auch weiterhin für die Linksfraktion im Bundestag kein Partner .

Bevor die Sondierungsgespräche für die Regierungskoalition aus Unionsparteien, FDP und Bündnisgrünen am heutigen Mittwoch offiziell beginnen, verdeutlichte die aus der Regierung scheidende SPD ihren Begriff von Opposition.

Die frühere Juso-Vorsitzende Andrea Nahles machte vor einer Fraktionsklausur am Dienstag in Berlin klar, was die auf 153 Abgeordnete geschrumpfte SPD-Fraktion auch künftig im Bundestag mittragen wird: die Mandate für die Auslandseinsätze der Bundeswehr in Afghanistan, Mali und im Nordirak.

»Ich glaube, wir einigen uns da«, sagte die neue Fraktionschefin mit Blick auf eine Verlängerung der Kriegsmandate um zunächst drei weitere Monate. Nach Gesetzeslage laufen die Einsätze zum Jahresende oder Ende Januar aus. Sollten sich die Verhandlungen auf dem Weg zu einer »schwarz-grün-gelben« Koalition länger hinziehen, werde die SPD einspringen.

Unionsfraktionschef Volker Kauder hofft auf die Bildung der Regierung bis Weihnachten.

Die Grünen haben offensichtlich kein Problem mit völkischen CSU-Rechtspopulisten im Rahmen der Jamaika Koalition zu kooperieren. 

Aber selbst wenn  sich die SPD in der Folgezeit " sozialdemokratischer" aufstellen würde, müsste die Linke noch weiter klar marxistisch nach links rücken, damit eine Unterscheidung zur SPD erkennbar bleibt. 

 

 

Maduros Sozialisten gewinnen Regionalwahlen in Venezuela 

13500 Wahllokale in 23 Bundesstaaten wurden ausgezählt

In Venezuela sind am Sonntag die Regionalwahlen durchgeführt worden, mit denen die Gouverneure für die 23 Bundesstaaten des südamerikanischen Landes bestimmt werden. Kurz nach 22 Uhr Ortszeit gab die Wahlbehörde CNE erste Resultate bekannt.

Demnach haben die Kandidaten der regierenden Vereinten sozialistischen Partei (PSUV) 17 von 23 Gouverneursposten erobern können. Fünf Bundesstaaten, darunter der an Erdölvorkommen wichtige und bevölkerungsreichste Bundesstaat Zulia, gingen an die Kandidaten des Oppositionsbündnisses Tisch der Demokratischen Einheit (MUD).

Die Wahlbeteiligung lag mit 61,14 Prozent höher als bei den letzten Regionalwahlen von 2012.

Zum Zeitpunkt der Bekanntgabe waren noch nicht alle Stimmen ausgezählt. Allerdings veröffentlichte der CNE, wie in Venezuela gesetzlich vorgeschrieben, bisher nur Resultate für die Bundesländer, in denen die Auszählung schon so weit fortgeschritten war, dass die verbliebenen Stimmen den Trend nicht mehr umkehren können. Das Ergebnis für den wichtigen Bundesstaat Bolívar, wo das Zentrum der venezolanischen Schwerindustrie beheimatet ist, ist bislang noch offen.

In über 13.500 Wahllokalen im ganzen Land wurde die Abstimmung nach bisherigen Informationen geordnet durchgeführt. Die Behörden hatten 260.000 Sicherheitskräfte zum Wahltag aufgeboten. Im Vergleich zu den letzten abgehaltenen Abstimmungen, die das Oppositionsbündnis regelmäßig als "Betrug" qualifiziert hatte, blieb Kritik bis zur Stunde zurückhaltend. Der MUD drückte allerdings auf seiner Webseite in allgemeiner Form "ernsthafte Zweifel" am Wahlergebnis aus und betonte, keine Zahlen anzuerkennen, bevor nicht alle Stimmen ausgezählt seien.

In den letzten Tagen vor der Abstimmung hatte der CNE mit Argumenten der Sicherheit einige Wahllokale an neue Orte verlegt. Die Opposition monierte dies umgehend als eine Behinderung der Beteiligung an den Wahlen. Es handelte sich allerdings um Maßnahmen, die lediglich 1,48 Prozent aller Wahllokale betrafen.

Seit 2000 hatte in Regionalwahlen stets der Chavismus vorne gelegen. Die letzte Wahl der Gouverneure hatte 2012 stattgefunden, deren Ausgang der regierenden sozialistischen Partei die Führung in 20 Bundesstaaten übertrug. Die gestrigen Wahlen waren ursprünglich für den Dezember 2016 erwartet worden. Die Wahlbehörde CNE hatte sie jedoch, offiziell begründet mit ihrer Beanspruchung durch ein Abwahlreferendum der venezolanischen Opposition gegen Präsident Nicolás Maduro, mehrfach verschoben.

Das Ergebnis der Abstimmung war im Vorfeld von Beobachtern auch als Indikator sowohl für den Rückhalt der nationalen Regierung unter Führung der Sozialistischen Partei Venezuelas und ihres Präsidenten Maduro als auch für die Mobilisierungsfähigkeit des rechten Oppositionsbündnisses Tisch der Demokratischen Einheit (MUD) angekündigt worden. Die Basis des MUD zeigte nach Monaten von vielfach gewalttätigen Demonstrationen Enttäuschung über ihre Führung, die den versprochenen Sturz von Präsident Maduro nicht erreichen konnte. Insgesamt standen die Wahlen unter dem Vorzeichen der seit drei Jahren anhaltenden schweren Wirtschaftskrise, der starken politischen Polarisierung und gewaltsamen Konfrontationen mit mehr als 100 Todesopfern im Land.

Der Wahlkampf war seitens des MUD darauf ausgerichtet, einen breiten Protest gegen die Regierung Maduro zu demonstrieren und die oppositionelle Mehrheit im Parlament des Landes auch in den Regionalwahlen zu bestätigen. Die regierenden Sozialisten mobilisierten unter der Parole, eine Stimme für die nationale Regierung sei "eine Stimme für den Frieden." Das dem Chavismus nahestehende Informationsportal Venezuelaanalysis urteilte kritisch, dass die Sozialisten in ihrem Wahlkampf "das Selbe wie immer, nur mehr davon" angeboten hatten.

Der MUD musste in Vorfeld den Spagat meistern, trotz der selbst verbreiteten Infragestellung der Unabhängigkeit der Wahlbehörde die eigene Basis für den Urnengang zu gewinnen.

Für den Wahltag hatte die Regierung die schon traditionelle kostenlose Benutzung aller öffentlichen Verkehrmittel angeordnet, um die Anfahrt der Wähler zu erleichtern.