Belegung des Asylbewerberheims geht trotz Protesten weiter

 

Die Lage am neuen Asylbewerberheim in Hellersdorf bleibt angespannt: Die Einrichtung steht weiterhin unter Polizeischutz. Am Alice-Salomon-Platz demonstrieren zurzeit nach Polizeiangaben etwa 40 NPD-Anhänger und 600 Gegendemonstranten. Die ersten Flüchtlinge sollen aus Angst das Heim schon wieder verlassen haben.

An der Notunterkunft für Flüchtlinge in Berlin-Hellersdorf ist die Situation weiter angespannt. Nachdem am Montag die ersten Flüchtlinge eingezogen waren, machten Teile der Anwohnerschaft und rechte Gruppen auch am Dienstag gegen das Heim mobil.

Am Alice-Salomon-Platz in Berlin-Hellersdorf versammelten sich am Dienstagabend nach Polizei-Angaben etwa 40 NPD-Anhänger, um gegen das neue Flüchtlingsheim zu protestieren. Ihnen gegenüber standen etwa 600 Gegendemonstranten.



Polizeibeamte halten beide Gruppen auseinander. Mindestens vier Personen seien festgenommen worden, unter anderem wegen Landfriedensbruchs, hieß es.

Auch am Mittwoch soll es weitere Proteste geben: Die rechtspopulistische Partei "Pro Deutschland" will dann in Hellersdorf aufziehen. Die Bürgerbewegung "Hellersdorf hilft Asylbewerbern" hat ihrerseits zu Gegenprotesten und Unterstützung aufgerufen.

"Wir belegen diese Einrichtung weiter"

Dennoch sollen in den kommenden Tagen weitere Flüchtlinge in das Heim einziehen. "Wir belegen diese Einrichtung weiter", kündigte Sozialsenator Mario Czaja (CDU) am Dienstag an. Es seien weniger die Anwohner als Rechtsextremisten, die gegen die Flüchtlinge Stimmung machten.

Flüchtlinge durch den Hintereingang ins Gebäude geleitet

Am Montag waren 42 Flüchtlinge in das Hellersdorfer Heim eingezogen, darunter sieben Kinder. Sie stammen aus Ländern wie Syrien, Russland, Serbien oder Vietnam. Die Polizei musste die Flüchtlinge durch die Hintertür in das Gebäude bringen.

Vor dem Gebäude kam es zu Auseinandersetzungen, drei Personen wurden festgenommen. Ihnen werde Beleidigung und Körperverletzung vorgeworfen, sagte eine Polizeisprecherin. Etwa 60 Menschen hatten gegen den Einzug der ersten Flüchtlinge demonstriert, knapp 360 Demonstranten setzten sich nach Polizeiangaben für das Asylbewerberheim ein.

Eine Unterstützergruppe errichtete in der Nacht zu Dienstag in einem Pavillon eine Mahnwache neben dem Heim. Sie soll zunächst für eine Woche dort bleiben.

Die Zahl der Asylsuchenden in Berlin steigt. Bis Juni wurden in diesem Jahr 43.016 Erstanträge auf Asyl in Deutschland gestellt - das Land Berlin nimmt davon 2.193 Menschen auf. Das LAGeSo rechnet mit rund 5.000 Asylbewerbern in Berlin bis zum Jahresende.

Der Anstieg hat zur Folge, dass Berlin bereits jetzt viele Flüchtlinge nicht ordnungsgemäß unterbringen kann. Alle 30 Unterkünfte seien restlos überfüllt, hatte das LAGeSo Ende Juli mitgeteilt.

Die Unterkunft in Hellersdorf könnte innerhalb der kommenden zwei Wochen mit bis zu 200 Flüchtlingen voll belegt sein, teilte das zuständige Landesamt mit. Es gibt bereits Pläne für ein zweites Hellersdorfer Heim in der Maxie-Wander-Straße, das ebenfalls rund 200 Menschen aufnehmen soll.

 

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