IZ History: 90% der Deutschen fordern Ende des Kapitalismus 

Eine Umfrage aus dem Jahre 2010 

Die Krise schien nach der Finanzkrise von 2008 langsam überwunden, doch sie hatte die Einstellung der Deutschen nachhaltig verändert: Eine große Mehrheit sieht den Kapitalismus laut einer Umfrage inzwischen äußerst skeptisch - und sehnt sich nach einer neuen Wirtschaftsordnung.

Es sind bemerkenswerte Zahlen: 88 Prozent der Deutschen wünschen sich eine "neue Wirtschaftsordnung".

Der Kapitalismus sorge weder für einen "sozialen Ausgleich in der Gesellschaft" noch für den "Schutz der Umwelt" oder einen "sorgfältigen Umgang mit den Ressourcen". Das hat eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung ergeben, aus der die "Zeit" zitiert.

Droht nun die Revolution?  Das wohl noch nicht direkt. Denn die Bürger sind eher nachdenklich als wütend: Sie sehen die Verantwortung nicht nur bei Politikern und Wirtschaftsführern, sondern auch bei sich persönlich.
 
Laut "Zeit" sind vier von fünf Deutschen der Ansicht, dass "jeder seine Lebensweise dahingehend überdenken sollte, ob wirtschaftliches Wachstum für ihn alles ist". Soziale Beziehungen, Gesundheit und Umweltbedingungen sind einer großen Mehrheit wichtiger als "Geld und Besitz zu mehren".
 
Hier zeichnete sich eher der spätere Grünen-Hype schon damals ab. 

Die Deutschen sind sich in ihrer neuen Werteordnung quer durch alle Schichten außerordentlich einig.

So stimmten der Aussage "Wohlstand ist für mich weniger wichtig als Umweltschutz und der Abbau von Schulden" 75 Prozent der Befragten mit Abitur, aber auch 69 Prozent jener mit Hauptschulabschluss zu.

 

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