Studie: 21 000 Menschen werden in deutschen Krankenhäusern womöglich  ermordet oder absichtlich zu Tode gebracht

Neben den desaströsen Verhältnisen im deutschen Pflegewesen  war bisher bekannt, dass jährlich etwa 40 000 Menschen durch resistente Keime in Krankenhäusern zu Tode gebracht werden .

Soch jetzt behauptet eine Studie gar, dass bis zu 21 000 Menschen in Krankenhäusern wohl absichtlich zu Tode gebracht werden.

Dass eine in keiner Fachzeitschrift veröffentlichte „Studie“ so viel Aufmerksamkeit erhält, dürfte eher selten vorkommen. Erscheinen die Ergebnisse in einem Buch, das sich den Titel von einer sonntäglichen TV-Krimiserie mit Kultstatus leiht, sieht die Sache offensichtlich anders aus. Zumal, wenn der SPD-Gesundheitsexperte, Arzt und Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach bei der Vorstellung des Buches assistiert. Der Psychiater Karl Beine und die Journalistin Jeanne Turczynski wollen in „Tatort Krankenhaus“ zudem einer eminent politischen Frage nachgehen: „Wie ein kaputtes System Misshandlungen und Morde an Kranken fördert“, heißt der Untertitel.

Schon vor der Präsentation des Buches am gestrigen Mittwoch in Berlin hatte der Verlag eine schockierende Behauptung herausposaunt: Möglicherweise seien mehr als 21 000 Tötungsdelikte in jedem Jahr in deutschen Kliniken und Pflegeheimen zu beklagen, begangen durch Ärzte und Pflegekräfte. Eine ungeheuerliche Zahl – mehr als 36-mal höher als die Zahl polizeilich erfasster Morde und Totschlagfälle, wie Karl-Josef Laumann (CDU), der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, in einer ersten Reaktion zu bedenken gab.

Das sagt gemäss der Studie Prof. Karl Beine, Chefarzt für Psychiatrie und Psychotherapie am St. Marien-Hospital in Hamm.

Er schätzt, dass jedes Jahr bis zu 21.000 Menschen in deutschen Kliniken und Heimen sterben, weil Mitarbeiter nachhelfen. In seinem neuen Buch 'Tatort Krankenhaus' vertritt er die These, dass das Profitstreben und Überlastung im Gesundheitswesen dazu führt, dass Menschen sterben, weil Mitarbeiter nachhelfen.

"Man kann bei dieser Zahl ganz sicher nicht reden von Mord oder Totschlag. Er  versucht die Tötungen als Sterbehilfe schönzureden, die in Deutschland ebenfalls verboten ist, wenn es dafür keine Zustimmung des Patienten oder der Angehörigen gibt. Insofern ist es natürlich Mord oder Totschlag.

Sondern man kann nur reden von aktiver Beendigung von menschlichem Leiden", sagt Beine entschuldigend. Doch das spiegelt nicht die Rechtslage wieder. 

So lasse das Personal zum Beispiel überlebenswichtige Medikamente weg. Das habe eine Befragung von 5.000 Pflegern, Krankenschwestern und Ärzten ergeben.

Gut drei Prozent der Ärzte in Krankenhäusern bejahten, schon einmal lebensbeendende Maßnahmen an Patienten vorgenommen zu haben.

Patientenverfügungen werden damit sicher nicht gemeint sein - aber ganz können das die  Macher der Studie nicht ausschließen, weil die Frage womöglich nicht präzise genug gestellt wurde - in diesen Fällen wäre es natürlich juristisch kein Mord. 

Auch fünf Prozent der Altenpfleger und 1,5 Prozent der Krankenpfleger machten derartige Angaben. Entsprechend kommt die Studuie durch Hochrechnungen statistisch auf diese erschreckenden Zahlen.

Bei den Opfern soll es sich überwiegend um ältere Menschen handeln. "Aber sie waren alle nicht unmittelbar sterbend. Ihr Tod löste, zumindest was den Zeitpunkt anbelangt, immer Überraschung aus", erzählt Beine weiter.

Überraschung lösten allerdings auch die Ergebnisse von Beines Studie aus. Klinikpersonal als Gewalttäter? Georg Baum von der deutschen Krankenhausgesellschaft will davon nichts wissen. "Das sind kriminelle Einzelpersönlichkeiten. Von einer systematischen Situation, die so etwas fördert, kann in unseren Krankenhäusern überhaupt nicht gesprochen werden", sagt er. 

Tatsächlich wären 21.000 Todesfälle in Kliniken durch Personal 35 Mal so viel wie polizeilich erfasst.

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