Sahra Wagenknecht weist auf Verlogenheit deutscher  Politik und Medien in der Causa " Trump" hin

Im Wortlaut

 Amtseinführung von Donald Trump in den USA – und das deutsche Establishment läuft mit Entsetzen und angeblichem Unverständnis zu Höchstform auf.
Dabei war das Wahlergebnis nicht schwer zu erklären.
Ich erinnere daran: Junge US-Bürger verdienen heute im Schnitt weniger, haben seltener ein Haus und nur ein rund halb so großes Vermögen wie ihre Eltern.

Am oberen Ende dagegen konzentriert sich obszöner Reichtum. Auf der Empörung über eine politische Elite, die sich für diese krassen sozialen Ungerechtigkeiten nicht mehr interessiert, basiert Trumps Wahlsieg.

Auch bei uns geht die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander. Immer mehr Menschen schuften zu demütigenden Löhnen und können sich ausrechnen, dass sie im Alter nur eine Armutsrente erwartet.
Deshalb finde ich: Deutlich sinnvoller, als mit dem Finger auf Trump zu zeigen, wären endlich Schritte für eine bessere Politik im Interesse der Mehrheit der Bevölkerung hierzulande.

Und was ich auch seltsam finde: jahrelang galt Kritik an der US-Politik in Deutschland als Majestätsbeleidigung.
Wenn die Linke die Öl- und Gaskriege der USA im Nahen und Mittleren Osten oder die Drohnenmorde verurteilte, wurde uns "Antiamerikanismus" vorgeworfen.
Für die gleichen Kommentatoren, die Obamas und oft selbst Bushs Politik über Jahre kritiklos abgefeiert haben, wird das Weisse Haus mit dem neuen Amtsinhaber plötzlich zum Schurkensitz.

Ja, auch ich mache mir Sorgen über eine Reihe von Äußerungen Trumps und seine Unberechenbarkeit.
Aber immerhin gibt es auch einige Ankündigungen, bei denen es wünschenswert wäre, wenn er die Chance bekäme, sie einzulösen. Seine Ankündigung, das Verhältnis zu Russland zu verbessern, gehört dazu.

Denn in einem Punkt hat Trump recht: die US-geführte NATO ist obsolet.
Sie hat sich in den letzten Jahren zu einem gefährlichen Interventionsbündnis entwickelt.
Statt unter US-Führung Panzer, schweres Kriegsgerät und deutsche Soldaten an die russische Grenze zu verlagern, brauchen wir dringend eine eigenständige europäische Außenpolitik und eine neue europäische Friedensordnung unter Einschluss Russlands.

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