Linke Sahra Wagenknecht rechnet mit den Umfaller-Grünen ab.  

Sahra Wagenknecht hat öffentliche Äußerungen gemacht, die die Grünen als zweite FDP bzw. als prinzipienlose  Umfaller  Partei  charakterisieren.

Zuletzt ist  noch hinzugekommen, dass die Grünen Verbrennungsmotoren auch nach 2010  und  längere Laufzeiten für Braunkohlenkraftwerke akzeptieren  und damit den Kollaps der  Umwelt in  Kauf nehmen und das Klimaziel gigantisch verfehlen.

Hier Auszüge von Wagenknecht Kommentaren zu den Umfaller-Grünen: 

Man spürt, dass die Grünen unbedingt regieren wollen, die CSU Angst vor der Landtagswahl im nächsten Jahr hat und die FDP ihre neugewonnene Stärke auszuspielen versucht. Niemand zeigt ein ausgeprägtes Interesse oder hat gar ein Konzept, die wirklichen Probleme des Landes anzugehen. Ich denke an die wachsende soziale Spaltung, unsichere Jobs, niedrige Renten, schlimme Zustände in der Pflege, meint Wagenknecht in einem Interview mit einer Regionalzeitung. 

Wo sehen Sie die größten Gemeinsamkeiten bei den vier Parteien?

Die Politik orientiert sich bei allen an den Interessen einflussreicher Wirtschaftslobbys. Der Weg in den Raubtierkapitalismus angelsächsischer Prägung, den Deutschland seit den Agenda-Reformen eingeschlagen hat, wird von keiner der Parteien infrage gestellt. Die sozialen Interessen der Mehrheit werden wieder unter die Räder kommen.

Und wer wird am Ende die meisten Federn gelassen haben, wenn Jamaika kommt?

So wie es aussieht: die Grünen. Früher hieß es, die FDP sei die Umfaller-Partei.

Jetzt haben die Grünen gute Chancen, diesen Titel zu übernehmen. Ihre Forderung nach einer Vermögenssteuer für Supereiche haben sie gleich in der ersten Verhandlungsrunde entsorgt. Es gab Zeiten, da spielten bei den Grünen soziale Aspekte und das Ziel einer friedlichen Außenpolitik eine große Rolle. Das ist alles weg. Selbst bei der Aufrüstung geht es ja nur noch um das „wie viel“.

FDP-Vize Kubicki brachte Neuwahlen ins Spiel, wenn es nicht klappt mit Jamaika. Was halten Sie davon?

Man sollte die Menschen nicht so lange wählen lassen, bis einem das Ergebnis passt. Zumal die aktuellen Umfragen eher darauf hindeuten, dass sich das letzte Wahlergebnis schlicht wiederholen würde. Das Traurige ist, dass all diese Parteien keine langfristigen Strategien mehr haben, dass sie sich immer ähnlicher geworden sind. Sie alle stehen für die konzerngesteuerte Globalisierung und wachsende Lebensunsicherheit.

Und die Menschen wissen, dass die Linke allein keine Regierung bilden kann. Wahlen werden dann wieder spannend, wenn es wieder um unterschiedliche Zukunftsentwürfe geht, um die in einem Wahlkampf gestritten wird.

Sie haben sich nach den Wahlen intern heftig mit den Linken-Parteichefs Riexinger und Kipping um die Rollenverteilung in der Fraktion gestritten. Ist da vertrauensvolle Zusammenarbeit überhaupt noch möglich?

Politik ist keine Veranstaltung, bei der sich alle lieb haben müssen. Wer in eine bestimmte Funktion gewählt wurde, sollte da seine Aufgaben wahrnehmen. Wenn das alle tun, kann es funktionieren. Denn egal, ob Jamaika kommt oder nicht, die Linke wird als soziale Stimme gebraucht. Alle anderen waren ja daran beteiligt, die soziale Ungleichheit zu vergrößern. Leider auch die SPD.

SPD-Vize Scholz fordert doch, den Mindestlohn auf 12 Euro anzuheben.

Das habe ich mit Freude vernommen. Das ist dringend notwendig, daher haben wir das schon länger gefordert. Es wäre allerdings besser gewesen, die SPD hätte diese Forderung eingebracht, solange sie dafür im Bundestag eine Mehrheit hatte.

Ist das vielleicht das erste Zeichen einer Runderneuerung der SPD?

Daran würde ich gern glauben. Doch wie sich die Sozialdemokraten personell aufstellen, kann von Erneuerung keine Rede sein.

Und jetzt diskutieren sie allen Ernstes, ob es ein Fehler war, im Wahlkampf die soziale Gerechtigkeit zum Thema zu machen. Das Thema ist doch ur-sozialdemokratisch – nur fehlt der SPD die Glaubwürdigkeit, solange sie Leiharbeit, unsichere Jobs und Rentenkürzungen verteidigt.  

 

 

Paradise Paper - Nach Panama Papers und LuxLeaks neue Steuertricks der Konzerne und der Superreichen 

Umfeld von Donald Trump gehört zu den Steuer-Tricksern der Machtelite der USA 

Auch nach dem Ausscheiden Großbritanniens und seiner Isle of Man in der Irischen See wird es innerhalb der EU Steueroasen geben. Insbesondere Irland, Malta, Luxemburg und Niederlande werden hier immer wieder genannt. 

Paradise Papers heißt der Datenschatz, den ein weltweites Investigativteam ausgewertet hat. Ein Glück, dass es solchen Journalismus gibt.

Die Daten stammen vor allem von der Kanzlei Appelby, dem Marktführer im Offshore-Geschäft. Die auf den Bermudas ansässige Anwaltskanzlei wirbt damit, das Geschäft mit Briefkastenfirmen professionell zu betreiben. Zu ihren Kunden gehören Premierminister, Hollywoodstars und einige der reichsten Oligarchen der Welt. Die Paradise Papers, die bislang umfangreichste Datenquelle über internationale Offshore-Finanzgeschäfte, enthalten die Namen großer Firmen und berühmter Personen. Darunter sind mehr als 120 Politiker aus fast 50 Ländern.

Hier wird die Welt der Reichen enthüllt, in der die Menschen zwar arm sind an Moral, Solidarität und Pflichtgefühl - dafür aber ganz viel Geld und Macht besitzen. Im Vergleich zu dieser Welt ist das Leben der anderen, die sich mit Staat und Steuern herumschlagen, tatsächlich die Hölle. Es gibt noch etwas, das im Paradies fehlt: das schlechte Gewissen. Denn wer reich ist und nicht teilen will, der muss gar keine Gesetze brechen. Die Gesetze sind ja für ihn gemacht. Noch ist es nicht ganz sicher, aber am Ende könnte es sein, dass illegal an den Paradise Papers vor allem ihre Beschaffung ist, meint Jakob Augstein. 

13,4 Millionen Dokumente, auf denen beinahe 400 Journalisten monatelang herumgekaut haben, bis die Auswertungen der Paradise Papers reif für eine Veröffentlichung waren. Die Quelle wird nicht genannt, Datendiebstahl, Whistleblower, Cyberangriff? 120 Politiker tauchen darin auf, 50 Länder, deutsche Firmen wie Siemens und der Alliabnz Konzern, Kabinettsmitglieder von Donald Trump, Superreiche wie der greise Glücksspielbaron Paul Gauselmann oder die bei Steuerfahndern schon vorher einschlägig bekannte Familie Engelhorn.

Weitere  hier erwähnte Prominente 

Trumps US-Handelsminister Wilbur Ross profitierte den Berichten zufolge als Privatmann von Geschäften mit einer Firma, die dem Schwiegersohn des russischen Präsidenten Wladimir Putin und Kreml-nahen Geschäftsleuten gehört.

Insgesamt sollen ein Dutzend Berater und Großspender von US-Präsident Donald Trump in den Papieren auftauchen. Die Verbindung ist politisch brisant, da sich die US-Regierung mit Vorwürfen auseinandersetzen muss, während des US-Wahlkamps Kontakte zum Kreml gesucht zu haben.

Indirekt soll auch Queen Elizabeth II profitiert haben: Ihre Vermögensverwalter investierten demnach in eine Kaufhauskette, die Haushaltsgüter auf Raten verkauft – bei Zinssätzen von bis zu 99,9 Prozent. Der Queen sei "nicht bewusst" gewesen, dass sie über einen Fonds auf den Kaimaninseln an der umstrittenen Firma beteiligt sei, zitiert die Süddeutsche Zeitung Beamte der Königin. 

Des weiteren taucht ein Vertrauter des kanadischen Premiers Justin Trudeau in den Dokumenten auf. Er soll in fragwürdige Geschäfte mit Briefkastenfirmen verwickelt sein, wodurch dem Staat Millionen Dollar an Steuern entgangen sein könnten. 

Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos soll Chef einer auf Barbados registrierten Holding gewesen sein, bevor er im Jahr 2000 Finanzminister Kolumbiens wurde.

Der irische Rocksängers Bono investierte den Dokumenten zufolge über Firmen in den Steuerparadiesen Malta und Guernsey in ein Einkaufszentrum in Litauen. Der Frontmann der Rockband U2 betonte, ihm sei versichert worden, dass die Firmen sich voll und ganz an die Steuervorschriften hielten. Der Sänger, der sich seit Jahren für den Kampf gegen Armut in Entwicklungsländern einsetzt, begrüßt die neuen Enthüllungen und forderte öffentlich zugängliche Register in den Steuerparadiesen.
 
Es gibt inzwischen 1542 Dollar-Milliardäre auf der Welt, zusammen verfügen sie über ein Vermögen in Höhe von sechs Billionen Dollar. Damit ist die Vermögenskonzentration so hoch wie zuletzt Anfang des 20. Jahrhunderts. 

Damals hatte der amerikanische Präsident Theodore Roosevelt noch den Mut, sich mit John D. Rockefeller's Standard Oil anzulegen und den Konzern zu zerlegen sowie über 90 % Einkommenssteuer  bei den Reichsten abzukassieren.

Kein US-Präsident hat es bislang gewagt, sich mit den Herren des Silicon Valley anzulegen, den digitalen Räuberbaronen unserer Tage. Auch der Diener der Konzernherrschaft der Oligarchen Barack Obama nicht, dessen Ruf viel besser ist als seine Verdienste.

 

Trump brachte IS-Terror-Kommandeure in Syrien vor Assad  in Sicherheit 

Vor gut drei Wochen hat die syrische Armee die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) aus al-Mayadin vertrieben. Doch noch vor dem Einrücken der Truppen sollen IS-Spitzen von der amerikanischen Luftwaffe aus dieser ostsyrischen Stadt gerettet worden sein. Mehrere Ortsbewohner wollen die Evakuierungsmission persönlich gesehen haben.

Die Truppen von Syriens Präsident Baschar al-Assad waren am 6. Oktober in al-Mayadin, der wichtigsten IS-Hochburg in der östlichen Provinz Deir ez-Zor, einmarschiert. Acht Tage später stand die Stadt schon völlig unter ihrer Kontrolle.

Ortsbewohner berichten Sputnik nun, dass IS-Anführer die Stadt schon rund zwei Wochen zuvor per Luft verlassen hätten.

„Zuerst hatten amerikanische Flugzeuge nahe der ar-Rahba-Zitadelle Angriffe geflogen“, sagt Hirte Muhammad Awad al-Hussein. „Danach erblickten wir mehrere amerikanische Hubschrauber. Auf dem Boden warteten ausländische IS-Kommandeure auf sie. Diese wurden von den Hubschraubern abgeholt und aus Al-Mayadin ausgeflogen.“

Einen Fehler schließt der 79-Jährige aus: Er habe einst selbst bei der syrischen Armee gedient und vermöge es, die Amerikaner zu identifizieren.

 Zuerst habe er lautes Dröhnen gehört sagte ein Hirte . Danach seien Bakras und anliegende Dörfer heftig bombardiert worden.

„Dann kamen die Hubschrauber und holten IS-Häuptlinge ab. Danach wurde es wieder still.“

Ein weiterer Einheimischer will gesehen haben, dass zwei ranghohe IS-Mitglieder samt Familien mit Fahrzeugen aus Al-Mayadin nach ar-Rahba gebracht worden seien. Von dort aus seien sie mit Hubschraubern abgeholt worden.

Im September hatte die Nachrichtenagentur RIA Novosti unter Verweis auf nicht näher bezeichnete „militärisch-diplomatische Kreise“ berichtet, dass die US-Luftwaffe mehr als 20 IS-Feldkommandeure aus dem umkämpften Deir ez-Zor in Sicherheit gebrachthabe. Die US-geführte Militärkoalition, die seit 2014 in Syrien operiert, bestritt das.

Linkspartei würdigt 100 Jahre  russische Oktoberrevolution kritisch 

Revolution im Widerstreit

Vor 100 Jahren machten die Bolschewiki ernst: »Frieden, Brot, Freiheit und Land«. Mit dem Sturm auf das Winterpalais begann die Oktoberrevolution

Von Stefan Bollinger

Der Blindschuss der »Aurora«, der Sturm auf das Winterpalais, prägen unsere Erinnerung an 1917. In unserem Kopf sind die Filmszenen von Sergej Eisenstein zum 10. Jahrestag der Revolution. Die Wirklichkeit war prosaischer, wennschon kaum weniger dramatisch.

Heute über die Oktoberrevolution zu sprechen, erfordert einen detaillierten und zugleich komplexen Blick. Wie alle Klassenkämpfe, aber auch der Streit unter Linken, ist 1917 nicht zu den Akten gelegt, sondern so präsent wie vor 100 Jahren. Mit dem Oktober wie dem gesamten Realsozialismus bleibt das Ringen um ein linkes Profi l bis heute ebenso verbunden wie der Streit mit politischen Gegnern, denen jede sozialistische Alternative eine tödliche Bedrohung ist.

 Für Generationen von Linken – meist unabhängig von ihrer Haltung zum Realsozialismus – war die Oktoberrevolution das Ereignis des 20. Jahrhunderts, der Beginn einer »Epoche des weltweiten Übergangs zum Sozialismus« und Sinnbild für handelnde Massen. Spätestens mit dem Bruch der Jahre 1989/91 haben sich diese Erwartungen als nicht realisiert erwiesen. Der Sowjetstaat löste sich auf, das Gesellschafts-, und militärische Blocksystem im Namen des Roten Oktober kapitulierte faktisch vor dem Kapitalismus und zerfiel. Ein wiedererwachter Nationalismus meldete sich zuweilen kriegerisch zurück und die kapitalistische Restauration triumphierte. Die kommunistische Bewegung, die einst den Sieg errang, resignierte, kapselte sich ein oder erfand sich neu – ohne die Massen noch mobilisieren zu können wie einst.

Neue Annäherungen

Von der Last der Geschichte befreit, lässt sich heute ungezwungener nachdenken. Nicht wenige wollen diese Revolution vergessen machen. Für viele moderne Linke ist sie ob ihrer Gewalt und ihrer Fehler, Irrtümer und der in ihrem Namen begangenen Verbrechen nicht anschlussfähig.

Das Abwerfen von Ballast ermöglicht allerdings einen schärferen Blick auf das, was 1917 nicht voraussetzungslos in die Welt trat. Vor allem gestattet es, den Kern dieser Revolution freizulegen – gegen den imperialistischen Krieg, für einen Frieden ohne Annexionen und Kontributionen, für einen Bruch mit einem Kapitalismus, der Kriege als Garant für Maximalprofite braucht. Die Bolschewiki gewannen die Massen, weil sie in der Friedensfrage kompromisslos waren. Gleichzeitig nahmen sie sich der Forderungen an, die Arbeiter und Bauern des krisengeschüttelten, kriegsmüden, hungernden und aufbegehrenden Landes stellten: Frieden, den Bauern den Boden, den unterdrückten Nationen die Chance zur Selbstbestimmung bis hin zur Lostrennung. Die Bolschewiki nahmen die demokratischen Errungenschaften des Februars ernst. Für sie durften aber Wahlen und Parlamentarismus nicht die Klassenspaltung fortschreiben, sondern sie wollten mit den Sowjets basisdemokratische Strukturen, in denen die Objekte der Politik, die Arbeiter, Bauern, Soldaten, handelnde Subjekte wurden. Sie wollten nicht nur Mitbestimmung in den Fabriken, sondern deren Verstaatlichung, erwartend, dass dies eine Vergesellschaftung werde.

Zunächst, was heute auf »russische « Revolution(en) reduziert wird, waren »russländische« Revolutionen, also das Aufbegehren nicht nur der Russen, sondern vieler Völkerschaften, auch unter sozialistischem Vorzeichen. Dass in den auch dort schnell einsetzenden Bürger- und Interventionskriegen – wie im Baltikum oder Finnland – schließlich die Reaktion die Oberhand behielt, gehört zu den bekannten Wahrheiten. Ebenso, dass andere Auseinandersetzungen – wie in der Ukraine – in den Sowjetstaat führen.

Zur neuen Einsicht gehört, dass von Russischen Revolution»en« im Plural gesprochen werden muss. Februar und Oktober hängen unmittelbar zusammen. Die Bolschewiki hatten deshalb Erfolg, weil sie die Inkonsequenzen der Provisorischen Regierung entlarvten, ihren bürgerlichen Charakter und ihre Unterwürfigkeit unter die Forderungen der Bündnispartner Großbritannien und Frankreich, vor allem aber gegenüber dem Kapital und Großgrundbesitz. Die Alternative gab es: die Sowjets. Hier hatten sich – wie schon 1905 – basisdemokratische Machtorgane gebildet, die unmittelbar die Stimmungen der Massen abbildeten und selbst Verantwortung für die Umsetzung der Beschlüsse übernahmen.

Die ersten Sowjets nach der Februarrevolution waren von Sozialrevolutionären und Menschewiki dominiert . Die Bolschewiki, als radikale Antikriegspartei besonders vom Zarismus verfolgt, mussten um Mehrheiten zäh ringen. Mit Lenins Heimkehr aus dem Exil und der Rückkehr der vielen Emigranten, begann ein erbittertes Ringen um Mehrheiten in den Sowjets. Dabei waren die Bolschewiki selbst keineswegs die streng disziplinierte und straff geführte Massenpartei. Selbst in ihrer Führung akzeptierten nicht alle Lenins strikten Kurs auf Sturz der Provisorischen Regierung und das Vorantreiben der Revolution in Richtung Frieden und sozialistische Perspektive. Lew Kamenew und Grigori Sinowjew, einflussreiche Bolschewiki, wollten abwarten, wollten ein Zusammengehen mit den Menschewiki, träumten im Herbst von einer breiten sozialistischen Regierung.

Hier musste Lenin immer wieder überzeugen gegen eine Regierung, die die drängenden sozialen Fragen, nicht zuletzt auf dem Lande, ebenso wie die nationalen Fragen aussaß und im Sommer Hunderttausende in einer aussichtslosen Offensive verheizte. Selbst der Schritt zum bewaffneten Aufstand stieß auf Widerstand in der Parteiführung. Auch hier war wieder Überzeugungsarbeit angesagt. Die Partei war ein lebendiger, widersprüchlicher Organismus. Ihre Mitgliederzahl verzehnfachte sich seit dem Frühjahr auf bis zu 300.000. Die Mitglieder mussten geschult, motiviert werden, die taktischen Züge Lenins akzeptieren und selbst in den Roten Garden kämpfen, ihre Arbeitskollegen und Kameraden gewinnen.

Revolutionärer Prozess

Wer heute von Revolutionen schwärmt, wird eher im Februar fündig, als Arbeiterinnen und Arbeiter massenhaft auf die Straße gingen, Widerstand leisteten und das Recht in die eigene Hand nahmen. Er wird an hitzige Versammlungen denken und die Revolution gerne als Festtag in Erinnerung behalten. Spätestens mit der Kerenski-Offensive im gehassten Krieg im Juni waren diese Festtage vorbei, die Doppelherrschaft von Regierung und Sowjets zerbrach, nachdem der Sowjetkongress sich zur Unterstützung der Offensive hatte überreden lassen. Die blutige Niederlage führte zum Aufbegehren Petrograder Arbeiter und Soldaten im Juli.

Sie löste eine blutige Repression seitens der Regierung aus, die sich vor allem gegen die Bolschewiki wandte, sie als »Vaterlandsverräter « diffamierte, ihre Presse unterdrückte, die Führer verfolgte, inhaftierte oder in den Untergrund trieb. Hier waren Massen auf der Straße, wenn auch noch ohne Erfolg. Sechs Wochen später sorgte der Putschversuch des von Kerenski eingesetzten reaktionären Oberbefehlshabers Lawr Kornilow für  eine erneute tiefe Krise. In der Abwehr des Putsches bewährten sich die bolschewistischen Strukturen. Rote Garden und Arbeiter zerstörten den Traum der Generäle von der Diktatur.

In dieser Vorgeschichte war der Sturm auf das Winterpalais und das Gewinnen des Zweiten Sowjetkongresses für die Revolution und eine neue Regierung – bestehend aus dem Rat der Volkskommissare auf der Basis einer kleinen Koalition von Bolschewiki und Linken Sozialrevolutionären – fast randständig, aber eben kein Staatsstreich. Es war der Abschluss einen Prozesses, der die Sowjets auf bolschewistischem Kurs sah. Am 7. November begann erst die soziale Revolution. Der Sowjetkongress beschloss Dekrete über Frieden, Boden, Verstaatlichung von Banken und Industrie. Er griff hinein bis in die nun auf Gleichberechtigung umgestellten Familienbeziehungen.

Gern wird vergessen, dass dies nicht allein und in erster Linie die Entscheidungen einer Zentrale waren, sondern dass sie tatkräftig in Betrieben und Kommunen umgesetzt wurden. Es wird auch ausgeblendet, das Bürger- und Interventionskriege letztlich die Entwicklung prägten und jenen Deformationen Vorschub leisteten, die als Stalinismus in die Geschichte eingingen. Denn zu den komplizierten Ausgangsbedingungen einer Revolution in Russland mit geringer Arbeiterklasse, schwacher Industrie und übermächtiger, obschon differenzierter Bauernschaft, dem Ausbleiben der Revolution im Westen, kam ein unerbittlicher Krieg im eigenen Lande.

Frühzeitig suchte sich die neue Macht gegen bürgerliche Kräfte, gegen Konterrevolution zu wehren, mit harten, nicht immer angemessenen Mitteln. Aber erst der Bürgerkrieg und seine unmittelbare Unterstützung durch 14 ausländische Mächte stieß das Land ins blutige Chaos. Zwiespältige

Bilanz

Der aus Not geborene »Kriegskommunismus « konnte keine Lösung sein. Er zerstörte das Bündnis mit der eben noch durch die Übergabe des Bodens dankbaren, nun zugunsten der Roten Armee und der Städter ausgepressten, wütenden Bauernschaft.+++ Darum gehören zu den Russischen Revolutionen unbedingt auch der Übergang zur neuen Ökonomischen Politik im Jahr 1921 und schließlich die Bildung der Sowjetunion 1922. Erst hier wurden jenseits der revolutionären Attacke die Grundlagen für sozialistisches Wirtschaften mit Markt, Geld und auch privaten Unternehmen gelegt. Mit der Bildung der UdSSR entstanden zumindest die Ansätze eines gedeihlichen Zusammenlebens der Völkerschaften.

Wir wissen, dass viele dieser Weichenstellungen nicht langfristig trugen. Zu schnell wurde aus der versprochenen Macht der Werktätigen eine für die Werktätigen, ausgeübt durch die Partei und ihre engste Führung. Das gehört auch zu den Erfahrungen mit dem Realsozialismus. Aber diese Erfahrungen belegen auch, dass es keine aussichtslosen Situationen gibt, dass Massen mit ihren Interessen und den von ihnen getragenen Organisationen und Parteien handeln können. Und schließlich, dass die Friedensfrage als Überlebensfrage eine der stärksten Antriebe für Gesellschaftsveränderungen sein kann. Insofern bleibt der Oktober lebendig und zwingt, ihn sich in seiner Widersprüchlichkeit anzueignen.

 

Stefan Bollinger ist Mitglied der Historischen Kommission beim Parteivorstand der Partei Die Linke.

Mehr zum Thema:

Oktoberrevolution. 
Aufstand gegen den Krieg 1917-1922
Stefan Bollinger
224 Seiten 
14,99 €
ISBN 978-3-360-01 882-3
auch als E-Book erhältlich

Weisser US Christenfundamentalisten-Terrorist verübt Massaker in Texas 

Kelley erschoss 26 Kirchengänger 

Statt gegen Christen und Antichristen als mögliche Terroristen in den USA  zu hetzen, bezeichnet US Präsident Trump den US Bürger  Devin Kelley als geisteskrank. Sein Umfeld kann es auch nicht wahrhaben. So wird in Chaträumen rechtspopulistischer US Medien immer wieder davon gesprochen, dass der Attentäter der linken Antifa angehöre - was natürlich bezogen auf seine Motivation zur Tat völliger Unsinn ist. 

Dieser Terror von US Bürgern mit Religionsbezug passt nicht ins Weltbild der Rechtspopulisten in den USA. 

Ein als Bibeltreuer Christenfundamentalist der Baptisten-Kirche  der Evangeilkanen und Ex US Soldat verübte nach Konvertierung zum Antichristen ein Blutbad in einer US Kirche.  

Statt das Bibelstudium noch weiter  zu vertiefen, entwickelte sich der Christen-Ideooge zum gewaltbereiten Antichristen und zum  militanten Atheisten.

Sutherland Springs ist eines dieser kleinen Dörfer, die in Texas zu Hunderten zu finden sind. Es gibt eine Tankstelle, gut 600 Einwohner und eine winzige Kirche, die  First Baptist Church, ein einfacher Bau aus Holz mit einem kleinen Türmchen auf dem Dach.

Es war 11.30 Uhr, als der Mann hier aus einem weißen Geländewagen stieg. Er war in eine schwarze Kampfmontur gekleidet, trug eine schusssichere Weste. In der Hand hielt er ein Sturmgewehr.

Zuerst gab er einige Schüsse vor dem Eingang der Kirche ab, dann betrat er das Gotteshaus und schoss wahllos auf die gut 50 Gemeindemitglieder, die sich gerade zu einem Gottesdienst versammelt hatten.

Er tötete 26 Menschen und verletzte Dutzende andere. Die Opfer sind zwischen fünf und 72 Jahre alt, unter ihnen sind auch die 14-jährige Tochter des Pastors und eine schwangere Frau. Der Pastor selbst und seine Frau waren zum Zeitpunkt der Attacke nicht vor Ort.

Als der Angreifer die Kirche wieder verließ, geriet er selbst unter Beschuss. Ein Nachbar hatte die Gewehrsalven gehört, seine eigene Waffe gegriffen und das Feuer auf den Mann eröffnet. Der ließ daraufhin sein Gewehr fallen und flüchtete mit dem Auto.

Für kurze Zeit lieferte er sich noch eine Verfolgungsjagd, dann krachte sein Wagen an einer Kreuzung in den Straßengraben. Als Polizisten sich dem Wagen näherten, war er bereits tot, womöglich hatte ihn der Nachbar tödlich getroffen, denkbar ist aber auch ein Selbstmord.

Nach Angaben des Pentagons war der Mann von 2010  bis 2012 bei den US- Luftstreitkräften. Er hatte auf der Holloman Air Force Base im Nachbarstaat  New Mexico im Bereich Logistik gedient haben. Offenbar wurde er in dieser Zeit von einem Militärgericht verurteilt und 2012 aus der Air Force entlassen. Er hatte eine Frau und sein Kind.

Was Kelley ausgerechnet zum Angriff auf eine Kirche bewogen haben könnte, ist unklar. Sutherland Springs liegt im sogenannten Bible Belt der USA.

Viele Bürger in diesen kleinen Gemeinden sind evangelikale Christen und streng gläubig. Die Gottesdienste hier sind wie kleine Familienfeste. Es wird gemeinsam musiziert, gesungen. Auch Kelley sol dort Bibeltexte vorgetragen haben.

Die Kirche ist oft so etwas wie das Zentrum des Ortes. So ist es wohl auch in Sutherland Springs. 

Russische Linke feiert 100 Jahre Oktoberrevolution 

Video 

 

 

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