Exklusiv aus Venezuela ein IZ Bericht von Ralph Niemeyer 

Venezuela steht heute, am 6. April 2019, fast auf den Tag genau 17 Jahre nach dem Putsch vom 11. April 2002 und 6 Jahre nach dem Tod von Präsident Hugo Rafael Chávez Frías, erneut im Fadenkreuz der imperialistischen US-Ölmacht. 

Als meine irischen Kollegen damals filmten und ich mit Präsident Chávez die Frage diskutierte, wieso es möglich war daß von einer nahegelegen Brücke offensichtlich seine Anhänger auf die Menge von oppositionellen Demonstranten schossen, was er umgehend bestritt, sah es für einen Moment so aus, als sei das revolutionäre Projekt des Bolivarianismus, welches damals noch nicht offen als sozialistisch benannt wurde, gescheitert. 

Erst eine Untersuchung Monate später konnte zweifelsfrei beweisen, daß die Toten unter der Brücke nicht von Pistolenkugeln von Chavistas stammen konnten, weil deren Reichweite einfach zu kurz war, sondern daß es sich um Scharfschützen in einem dahintergelegenen Hochhaus gehandelt hatte, deren Identität nicht zweifelsfrei belegt werden kann, aber Zeugen aussagten, sie hätten Englisch mit US- amerikanischem Zungenschlag vernommen.

Es sollte mithilfe dieser False Flag berichtet werden können, daß dieser gemeine linksnationalistische Präsident einfach auf friedliche Demonstranten habe schießen lassen.

Die Rechtfertigung für den Putsch und die internationale Ächtung stand somit fest. Daß der Putsch nach 2 Tagen zusammenbrach lag einzig daran, daß über 8 Millionen Menschen überall im Land für Hugo Chávez auf die Straßen gingen und sich nicht damit abfinden wollten, daß das Rad der Geschichte so einfach wieder zurückgedreht werden sollte.

Als Präsident eines Landes wie Venezuela muß man entweder die Wirtschaft, das Militär oder die Bevölkerung auf seiner Seite haben.

Hugo Chávez, obwohl selber Fallschirmspringer hatte die oppositionell dominierte Mittel- und Oberschicht, die ihn bei der Wahl 1999 noch halbherzig unterstützt hatte, weil sie ihn bloß für einen Sozialdemokraten hielten, der ihnen nicht ernsthaft ans Leder wollte, aber ein paar Wohltaten an die verarmten 80% der Bevölkerung verteilen wollte, damit verschreckt, daß er über 10.000 leitende Angestellte der staatlichen Ölfirma PDVSA mit einem Handstreich einfach feuerte, als ruchbar geworden war, daß diese sich die Taschen mithilfe eines korrupten Transferpricing Systems füllten, indem sie einem Familienmitglied, welches eine Briefkastenfirma in Panama betrieb, venezolanische Ölverträge zu 30% Rabatt zuschanzten und diese auf dem Weltmarkt zum offiziellen Preis weiterverhökerte.

Chávez Gegenkandidat bei der Wahl 1999, Enrique Salas Römer, ein Golfpartner von US – Präsident George Herbert Walker Bush, gab mir gegenüber freimütig zu, daß seine Klasse es Chávez übel genommen habe, wie er mit ihnen umgesprungen sei.

Immerhin hätten doch jene Ölmanager, die er später feuern würde ihm sogar 500,000 US Dollar für den Wahlkampf gespendet.

Seit dieser Zeit und besonders nach dem gescheiterten Putsch vom April 2002 ist das Tischtuch in Venezuela zerschnitten und Chávez agierte fortan offen sozialistisch, was abgefedert durch hohe Ölpreise, gut funktionierte.

Es störte zwar, daß die Mittelschicht die Privatwirtschaft dominierte aber man hatte sich fast arrangiert, als der verfallende Ölpreis und schließlich der plötzliche und frühe Tod von Hugo Chävez der Opposition in die Hände spielte.

Morgenluft wurde gewittert, als die Chavistas im Parlament die Mehrheit verloren.

Nachfolger Nicolas Maduro Moros hatte es dreifach schwer in die Fußstapfen von Hugo Chávez zu treten, weil er weniger charismatisch erscheint, dafür stur und wenig kompetent, was aber schwer auszumachen ist, da etliche seiner Entscheidungen von der Opposition zu verantworten sind da diese bewußt die Privatwirtschaft zum Beispiel beim Import wichtiger Medikamente und von Lebensmitteln zur Sabotage drängen konnten, damit bewußt Engpässe entstehen, die dann der Regierung angelastet werden.

Dann kamen auch noch Sanktionen der USA dazu, die sogar Geldüberweisungen durch Western Union stark limitierten, so daß viele Venezolaner keine Devisen mehr bekommen konnten.

Die Strategie ging trotzdem nicht auf, weil die von Hugo Chávez stets auf solche möglichen Szenarien vorbereitete Bevölkerung das Spiel durchschaut hat und sich anderweitig mit Solidarität den Mangel verwaltet.

Die verzweifelte Opposition greift seitdem immer öfter zu gewaltsamen Provokationen, zuletzt bei Denonstrationen des selbst ernannten ‚Interimspräsidenten‘ Guaido, der inzwischen sogar im Oppositionslager als Witzfigur gesehen wird.

US-Präsident Trump erkannte ihn an, SPD-Bundesaußenminister Heiko Maas übte diensteifrig den transatlantischen Schulterschluß obwohl man ja sonst per se Trump für einen außenpolitischen Hasardeur hält weil er Truppen aus Afghanistan und Syrien abziehen will, und schickte sogar den deutschen Botschafter als Geleitschutz für Guaido.

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Am heutigen Samstag, 6. April 2019, rief Guaido mal wieder zum Sturm auf den Präsidentenpalast Miraflores auf, und man kann mit einer gewaltschürenden Provokation rechnen, um eine US-Intervention zu begründen, aber hier dürfte Guaido einer gewaltigen Fehleinschätzung aufsitzen, denn anders als George W. Bush ist Trump zwar verbal brutal dabei aber hat vermutlich kein Interesse an dem Abenteuer und wird Guiado nicht zur Hilfe eilen.

Trumps wortgewaltige Brutalität ist wohl eher als Theater für die eigenen Falken in Kongress aber auch Medien wie CNN und New York Times zu sehen.

Trump schert sich nicht allzu sehr um die Wünsche der Geheimdienste, die es hingegen schafften Friedensnobelpreisträger mithilfe von False Flag Aktionen in den Syrienkrieg hineinzuziehen.

Die blutigen Auseinandersetzungen zwischen Opposition und Chavisten werden wohl fortgesetzt werden.

Ein Ausweg wären vorgezogene Parlamentswahlen, die die sozialistische Partei wohl diesmal klar gewinnen dürfte, da die große Mehrheit die Nase voll davon hat, daß die dem Guaido-Lager angelasteten Sabotagen bei Strom- und Wasserversorgung das Land lahmlegen.

Von Zufällen spricht man auch in Oppositionskreisen nicht mehr ernsthaft sondern bezeichnet es als notwendige Strategie.

Der gesamtwirtschaftliche Schaden der Sanktionen alleine wird von der international angesehenen Ökonomin Judith Valencia auf 24 Milliarden US-Dollar beziffert.

Hinzu kommen in den USA beschlagnahmte Vermögenswerte der 14 000 Citgo Tankstellen, die der staatlichen Ölfirma PDVSA gehören, sowie Goldreserven in Milliardenhöhe, die die Bank of England eingefroren hat.

Da löst es in der Tat nur noch schallendes Gelächter aus, als bekannt wird, daß Guaido von einem Kabarettisten, der sich am Telephon als Präsident der Schweiz ausgegeben hatte und mitteilte, daß die Schweiz venezolanische Vermögen eingefroren habe und ihm als Interimspräsident zuführen wolle aufs Eis geführt wurde.

Gauido fiel darauf rein und gab umgehend seine Kontonummer an.

Geschichte wiederhole sich nicht, sondern finde einmal als Tragödie ein anderes Mal als Kommödie statt, heißt es.

Wenn es bloß ohne Tote und Verletzte geschähe!

Die Pro-Maduro Demonstrationen werden jedes Mal noch größer und die von Guaido immer kleiner. Zum Glück hat er heute nicht weiter auf Gewalt gesetzt.

Er muß sich mal einer Wahl stellen, dann sieht er, ob er Präsident werden kann.

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