Auch China, Russland, Indien, Iran u.a. stehen auf der Seite von Maduro

USA und EU sind weitgehend isoliert 

Maduro an US-Bevölkerung: Haltet Eure verbrecherische Kriegs- Regierung vom Krieg ab, sonst wird es "schlimmer als Vietnam"

Venezuela: Chinesische Investitionen fühlen sich am stärksten durch US-Sanktionen gegen Caracas angegriffen. Insofern zündelt Trump mehr als andere Despoten

Die von den USA gegen Venezuela eingeführten Sanktionen sind ein Angriff auf den Welthandel und gefährden Investitionsprojekte und Kredite, die andere Staaten mit Caracas eingegangen sind. 

Als größter Investor gilt China. Daher ist Peking in diesem Fall am meisten betroffen.   

Während das  mit US Sanktionen drangsalierte und krisengeplagte Venezuela sich auf die Auswirkungen der jüngsten  kriegerischen US-Wirtschaftssanktionen vorbereitet, sind auch dessen  frei gewählte Handelspartner stark betroffen.

Am Montag kündigte die Trump-Regierung Sanktionen gegen Venezuelas staatliches Energieunternehmen Petroleos de Venezuela (PDVSA) an. Die neuen Beschränkungen werden sieben Milliarden US-Dollar an Vermögenswerten einfrieren und im Laufe des nächsten Jahres mehr als elf Milliarden US-Dollar an verlorenen Exporterlösen verursachen.

China als größter Investor in Venezuela

Als einer der größten Handelspartner und Gläubiger Venezuelas sprach sich China bereits gegen eine ausländische Einmischung in die Angelegenheiten des Landes aus und erklärte, dass die USA die Verantwortung für ihre umfassenden Sanktionen werden tragen müssen.

China stellte Venezuela in den letzten zehn Jahren 50 Milliarden US-Dollar an Krediten zur Verfügung. Während viele Länder es versäumten, Geschäfte mit der lateinamerikanischen Nation zu tätigen, brachte Peking durch Kredite und Direktinvestitionen bedeutende Mengen an Geldmitteln nach Venezuela.

China kritisiert ausländische Einmischung in Venezuela

Caracas beglich einen Teil dieser Schulden mit Öllieferungen, musste aber wegen der sinkenden Produktion um die Erfüllung seiner Verpflichtungen kämpfen. Das Land schuldet Peking noch immer etwa 20 Milliarden US-Dollar.

Laut Quellen bei der venezolanischen Investmentgesellschaft Caracas Capital hat Venezuela seit Dezember 2017 keine Staatsanleihen mehr bedient und ist nun mit 16 Staatsanleihen und Schuldverschreibungen in Höhe von insgesamt 1,81 Milliarden US-Dollar in Verzug.

Aufgrund des neuen US-Sanktionspakets sind Chinas milliardenschwere Kredite in Venezuela sowie Investitionen und Geschäftsbeziehungen – neben anderen – zu Ländern wie Russland, Indien, und der Türkei gefährdet.

Trotz der anhaltenden Krise in Venezuela haben Neu-Delhi und Caracas ihre gemeinsamen Investitionen im Energiesektor fortgesetzt. Mit über 400.000 Barrel pro Tag (bpd), die von indischen Unternehmen bezogen werden, ist Indien einer der größten Käufer von venezolanischem Rohöl. Indische Unternehmen haben Pläne, die Rohöleinkäufe aus Venezuela weiter auszubauen.

Venezuela ist einer der größten Rohölexporteure Lateinamerikas und seine Öleinnahmen machen laut OPEC rund 98 Prozent seiner Exporterlöse aus. Die Ölproduktion sank jedoch ab November 2018 täglich um 33.000 Barrel. Im Dezember erreichte die Ölförderung mit 1,15 Millionen Barrel am Tag verglichen mit einer Fördermenge von 2 Millionen Barrel täglich im Jahr 2017 ein neues Tief.

Russland teilt ebenfalls mehrere gemeinsame Projekte mit dem lateinamerikanischen Land. In den Bereichen Energie, Landwirtschaft und Verteidigung übersteigen die russischen Investitionen in Venezuela 4,1 Milliarden US-Dollar, wovon der russische Energieriese Rosneft den größten Teil ausmacht. Der Handelsumsatz zwischen Moskau und Caracas stieg im Januar/Februar letzten Jahres um 48 Prozent im Vergleich zum selben Zeitraum im Jahr 2017 und erreichte einen Gesamtwert von fast 85 Millionen US-Dollar.

Die Türkei pflegt trotz der US-Sanktionen und des internationalen Drucks ebenfalls enge Beziehungen zu Caracas. Die beiden Länder arbeiten an einem Abkommen, wonach Tonnen von venezolanischem Gold in die türkische Stadt Corum zur Veredelung und Zertifizierung gebracht werden sollen.

Seit Anfang letzten Jahres exportiert Caracas sein Gold zur Aufbewahrung in die Türkei.

Statistiken zeigen, dass die Türkei in den ersten neun Monaten des Jahres 2018 Gold im Wert von 900 Millionen US-Dollar - rund 23,6 Tonnen - aus Venezuela importiert hat.

Laut Mehmet Ozkan, der als türkischer Beamter an den bilateralen Beziehungen zu Venezuela arbeitete, besteht das Hauptziel darin, das Rohmetall zu veredeln und einen Kapitalzufluss nach Venezuela zu schaffen. Dieser soll wahrscheinlich in Form von Dienstleistungen erfolgen, da US-Sanktionen es Finanzinstituten verbieten, Geldbeträge in US-Dollar nach Venezuela zu überweisen.

Die USA erkennen Nicolás Maduro nicht mehr als Venezuelas Präsidenten an. Der wandte sich nun direkt an die US-Bevölkerung und forderte sie auf, sich gegen eine militärische Intervention ihrer Regierung zu stellen. Sonst drohe ein Krieg, "schlimmer als Vietnam".

In einer Fernsehansprache wandte sich Venezuelas Präsident Nicolás Maduro erstmals direkt an die US-amerikanische Bevölkerung. In dem mit englischen Untertiteln versehenen, vierminütigen Video fordert der Staatschef die Menschen in den USA dazu auf, die Trump-Regierung von einer militärischen Intervention in seinem Heimatland abzuhalten – und zog dabei einen Vergleich zum Vietnam-Krieg:

Wenn die Regierung der Vereinigten Staaten beabsichtigt, gegen uns zu intervenieren, wird sie ein viel schlimmeres Vietnam erleben, als Sie es sich vorstellen können.

Der Vietnam-Krieg, an dem sich die USA zwischen 1965 und 1973 beteiligten, kostete rund 58.000 US-Soldaten das Leben und gilt als eine der größten Niederlagen des US-Militärs in seiner Geschichte.

US-Senator: Trump diskutierte möglichen Militäreinsatz in Venezuela

Maduro warf zudem US-Medien vor, im Rahmen einer "psychologischen Kriegsführung" eine "brutale Kampagne mit falschen Bildern" zu führen, um die Einmischung der US-Regierung in Venezuela zu unterstützen:

Diese Kampagne wurde vorbereitet, um einen Staatsstreich in Venezuela zu rechtfertigen, der von der Trump-Regierung festgelegt, finanziert und aktiv unterstützt wurde.

In Anspielung auf die Lügen, mit denen Washington seinen im Frühjahr 2003 begonnenen Krieg gegen den Irak rechtfertigte, sagte der Präsident:

Sie können nicht behaupten, dass Venezuela und Maduro Massenvernichtungswaffen besitzen, damit sie intervenieren können. Also erfinden sie jetzt jeden Tag Lügen und falsche Nachrichten, um eine Aggression gegen unser Land zu rechtfertigen.

Ex-UN-Sonderberichterstatter: "Venezuela erinnert mich an die Irak-Invasion" (Video)

Maduro unterstrich, dass sich die US-Interessen in Venezuela ausschließlich auf die riesigen natürlichen Reichtümer beschränken. Das Land verfügt über die größten bestätigten Ölreserven der Welt und die viertgrößten Erdgasreserven sowie über große Goldvorkommen. 

Die US-Eliten wollten sich dieser Schätze "wie im Irak und in Libyen" bemächtigen, indem sie Unruhen in Venezuela schürten.

Wir sind ein Land mit großen natürlichen Ressourcen. Das ist die Wahrheit, und das erklärt die ständigen Angriffe auf Venezuela. Deshalb appelliere ich an Ihr Gewissen und an Ihre Solidarität", erklärte der Präsident.

Er gab zu, dass Venezuela "wie jedes andere Land" mit einer Fülle von Problemen konfrontiert sei. Doch die Venezolaner könnten diese "selbst lösen", ohne Einmischung von außen. Er sei ein Bewunderer der US-Geschichte, fuhr Maduro fort und brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass sich die vernünftigen US-Bürger durchsetzen werden.

Die Vereinigten Staaten sind ein großartiges Land und es ist viel größer als Donald Trump. Ich bitte nur um Respekt für Venezuela und brauche Ihre Unterstützung, um einen Krieg wie Vietnam zu vermeiden.

Vergangene Woche hatte sich Venezuelas Parlamentspräsident Juan Guaidó nach Absprache mit Washington selbst zum "Interimspräsidenten" des Landes ernannt und wurde daraufhin von einer Reihe westlicher Staaten anerkannt. Am Freitag erkannte auch das EU-Parlament den Putschführer als Venezuelas rechtmäßigen Interimspräsidenten an. Mehrere EU-Staaten, darunter Deutschland, hatten Maduro zuvor ein Ultimatum gestellt, innerhalb von acht Tagen Neuwahlen auszurufen. Der Präsident wies dieses Ansinnen zurück.

Um sich mithilfe ihres Günstlings Guaidó des venezolanischen Ölsektors zu bemächtigen, verschärften die USA vor Tagen die Sanktionen gegen Venezuela, insbesondere gegen den staatlichen Ölkonzern PdVSA.  

Mehr zum Thema - Kreml: Russland wird seine Ölvorräte in Venezuela verteidigen

 

Unterdessen berichtet die Welt, dass die US-amerikanische Investmentbank Goldman Sachs zum Gewinner eines möglichen Umsturzes in Venezuela werden könnte. Goldman habe Maduro 2017 durch den Kauf von Anleihen vor dem Staatsbankrott gerettet und sei heute einer der größten Gläubiger des Landes. 

Die Regierung habe Ende 2017 sämtliche Zahlungen für Staatsanleihen eingestellt, um Gläubiger des Landes dazu zu bringen, einem Schuldenschnitt zuzustimmen. Die Anleihemärkte hätten auf die Nachricht des Umsturzversuchs euphorisch reagiert. Auch das gehört zu den Hintergründen des derzeitigen Geschehens in Venezuela.

 
 
 
 
 

 

 

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