Pro-Iranischer Prediger und Volkstribun Sadr und Kommunisten gewinnen Irak-Wahl - Klatsche für USA 

Kommunist könnte Regierungschef werden- weil Sadr selber nicht antreten darf 

15 Jahre nach der Invasion der USA in den Irak rechnet das irakische  Volk mit dem US Imperialismus grundlegend ab. 

Der pro-iranische Prediger und Volkstribun Bani-Sadr, der schon 2003 mit schiitischen Rebellen gegen die USA Invasoren und Besatzer mit der Waffe in der Hand  kämpfte, hat die  Wahlen gewonnen. 

Er plant ein  ungewöhnliches Regierungsbündnis mit der Kommunistischen Partei des Irak .

Es hat nämlich die vielleicht ungewöhnlichste Allianz gesiegt, die es jemals im Irak gab: die gemeinsame Liste des schiitischen Predigers Muktada al-Sadr, der Kommunisten und anderer säkularer Kräfte - also die Verbindung eines Islamisten mit weltlich orientierten Menschen.

Zwar sind noch nicht alle Stimmen ausgezählt, aber jetzt kann nichts mehr Sadr die Spitzenposition nehmen. Weniger überraschend: Das Bündnis unter dem pro-iranischen Milizenführer Hadi al-Amiri liegt auf Platz zwei. 

Ministerpräsident Haider al-Abadi, Favorit des Westens, landet mit seiner Liste abgeschlagen auf  dem dritten Rang.

Obwohl er im Iran  bei Gelehrten studierte setzt er sich für  eine relative Eigenständigkeit des Irak ein.

Al-Sadr ist der Volkstribun der schiitischen Unterklassen, und er hat sich als irakischer Nationalist einen Namen gemacht. Er fordert den Abzug aller ausländischen Soldaten.

Damit hat  vielleicht selbst Jassem al-Hilfi von der Irakischen Kommunistischen Partei nicht gerechnet.

Maximal 40 Sitze prognostizierte der Parteistratege seinem Bündnis mit dem schiitischen Geistlichen Muktada al-Sadr. Und jetzt das: Nach Auszählung von mehr als der Hälfte der Stimmen liegt ihre Liste  "Vowärts" in den Parlamentswahlen vom Wochenende vorn.

Es war bereits weit nach Mitternacht, als die Unabhängige Irakische Wahlkommission am Montag das Ergebnis der Abstimmung in 10 der 18 Provinzen verkündete.

Nach diesem errang Sairun (Vorwärts marschieren) in Bagdad, wo es die meisten Mandate zu holen gibt, fast doppelt so viele Stimmen wie der Zweitplacierte. In den mehrheitlich schiitischen Provinzen im Süden des Landes hat das Bündnis mit dem ersten oder zweiten Platz ebenfalls gut abgeschnitten.

Zwar kann es noch Verschiebungen geben, da die Stimmen der mehrheitlich sunnitischen Provinzen noch nicht ausgezählt sind und die Ergebnisse der Abstimmung unter den Sicherheitskräften und Gefangenen sowie den Auslandirakern noch nicht eingerechnet wurden.

Doch die Führungsposition kann der Sairun-Bewegung keiner mehr streitig machen.

«Wir haben mit dem Bündnis neue Wählerschichten angesprochen», sagt Parteistratege Hilfi im Gespräch. «Wir treten für alle Iraker ein, nicht nur eine Konfession oder Ethnie.»

Nach seiner Rückkehr im Jahr 2011 schlug  der Schiiten-Rebellenführer Sadr plötzlich neue Töne an.

Er ging auf die Sunniten zu und präsentierte sich fortan als irakischer Nationalist. Der definitive Wandel sei jedoch mit der Protestbewegung vor zwei Jahren gekommen, sagt Hilfi. 

Als Sadr-Anhänger das Regierungsviertel in der Grünen Zone stürmten, hätten ihm Kommunisten, die monatelang friedlich demonstriert hatten, deutlich gemacht: «Keine Gewalt, keine religiösen Symbole und nur die irakische Flagge.» Laut Hilfi war es die Geburtsstunde der ungleichen Allianz, die nicht einer gewissen Ironie entbehrt.

Es waren zwei schiitische Geistliche aus der Sadr-Familie, unter ihnen der Vater von Muktada al-Sadr, die mit ihrer schiitisch-islamistischen Bewegung der damals starken Kommunistischen Partei den Garaus bereitete. «Sayyed Muktada ist mein Freund», sagt Hilfi heute über den ehemaligen Unruhestifter.

Forderung nach US-Abzug

Politisch wolle das Bündnis ein Ende des Proporzsystems zwischen Schiiten, Sunniten und Kurden, wolle die Armut beseitigen sowie das Gesundheitswesen und die Beziehungen mit den Nachbarstaaten verbessern, so Hilfi. 

«Sadr ist heute tatsächlich ein anderer als vor zehn Jahren», sagt der Politologe Ahmed Adnan Aziz von der Universität in Bagdad. «Er hat den iranischen Orbit definitiv verlassen, und er kann auch nicht mehr zurück. Sein Wandel ist glaubwürdig.» Die Nähe zum Iran wird aber trotzdem immer noch fester sein als die bisherige  kolonialpolitisch und kriegerisch erzwungene Nähe zu den USA. 

 

Und Sadrs Forderung nach dem Abzug der rund 5000 amerikanischen Soldaten im Irak? «Auch wir fordern das bekräftigt Sadr. 

 

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