Das sozialistische Venezuela führt Kryptowährung " Petro" gegen Dollar-Vorherrschaft ein

Kryptowährung Petro in Venezuela eingeführt - Volle Deckung durch Ölreserven 

Gleich zu Beginn wurden etwa 800 Mio. Dollar eingenommen. 

Die venezolanische Regierung will mit Digitalwährung internationaler Wirtschafts- und Sanktionspolitik entgegenwirken. Kritik von  bürgerlicher Opposition und vom US Imperialismus. 
 
Mit dem Petro ist in Venezuela in der Nacht vom 19. auf den 20. Februar die erste Kryptowährung weltweit eingeführt worden, die ausschließlich durch natürliche Ressourcen gedeckt ist.
 
Insgesamt etwa 5,3 Milliarden Barrel Rohöl aus dem ersten Block Ayacucho im Orinoco-Becken bilden zunächst den Gegenwert der neu geschaffenen Währung.
 
Aber auch Gas, Gold und Diamanten sollten mittelfristig als realer Gegenwert eingesetzt werden. Die venezolanische Regierung hatte bereits Anfang Dezember vergangenen Jahres das Vorhaben angekündigt, um mittelfristig der Sanktions- und Blockadepolitik, allen voran der USA, begegnen zu können und nicht in zu großem Ausmaß vom internationalen Finanzmarkt und damit wichtigen Devisen abgeschnitten zu werden.

Präsident Nicolas Maduro äußerte kurz vor Mitternacht über den Kurznachrichtendienst Twitter die Hoffnung, dass durch den Petro "die Wirtschaft von nun an gestärkt wird." In einer ersten Phase, die etwa einen Monat dauern soll, werden bis zu 82,4 Millionen Einheiten ausgegeben. Dabei entspricht der Wert eines Petro dem Wert von einem Barrel Rohöl (159 Liter zu momentan etwa 65 US-Dollar). Insgesamt könnten in dem ersten Monat dadurch etwa 1,3 Milliarden Dollar eingenommen werden, so die Erwartung der Regierung.

Um über den Petro zu informieren wurde eigens eine Homepage eingerichtet. Dabei werden potentiellen Interessenten und Zeichnern wesentliche Details genannt, auch welche Schritte zur Einrichtung eines notwendigen Wallets (Kontos) vorgenommen werden müssen. Die Informationen liegen dabei sowohl auf Spanisch als auch auf Englisch vor. Außerdem wurden Richtlinien veröffentlicht, die möglichem Missbrauch der Währung, wie zur Geldwäsche oder zur Finanzierung des Drogenhandels, vorgreifen sollen.

Der Verkauf des Petro wird durch sogenannte Tokens erfolgen, die ähnlich wie Aktien oder Anteilsscheine genutzt und mit vergleichsweise relativ wenig technischem Aufwand auf Blockchains erzeugt werden können.

Dabei wird das Charakteristikum ERC-20 angewendet, der globale Standard bei Kryptowährungen. Anhand dieser Details kann man sehen, dass der venezolanischen Regierung viel daran liegt, sich den internationalen Maßgaben für Kryptowährungen anzupassen, um so Vertrauen bei den potentiellen Anlegern zu schaffen. Dies dürfte von großer Wichtigkeit sein, da der Erfolg des Petro in großem Maße davon abhängen wird, insbesondere vor dem Hintergrund der hohen Inflationsrate und des stetigen Wertverlusts der Landeswährung Bolívar.

Aus den USA kommen indes kritische Stimmen und Drohungen. Dies verwundert allerdings aufgrund der seit langem bestehenden Sanktionspolitik der US-Regierung wenig.

Das US-Finanzministerium warnte die eigenen Staatsbürger vor einer Investition in den Petro, da dies als Umgehung der Sanktionen gesehen werde und somit illegal sei. Ein Erwerb von Petros entspräche einer "Gewährung eines Kredits an die venezolanische Regierung," so das Ministerium gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Venezuelas Opposition im Parlament nannte den Petro ebenfalls "illegal" und "verfassungswidrig", da er Ressourcen bereits im Voraus veräußere und somit "neue Schulden für die Zukunft Venezuelas" bedeute, so Rafael Gúzman, Präsident der Finanzkommission des Parlaments und Mitglied der Partei Gerechtigkeit Zuerst (Primero Justicia).

Die venezolanische Regierung erhofft sich neben privaten Anlegern auch Investitionen in den Petro aus verschiedenen Ländern aus dem Mittleren Osten, aus Europa und auch aus den USA, vor allem aber aus Katar und der Türkei, so der Leiter der Kontrollbehörde für Kryptowährung, Carlos Vargas.

Einen Vorteil für das sogenannte Mining des Petro, also dem eigentlichem Schaffen der Währung, sehen die Experten für Digitalwährungen, Carlos Simko und Luis Romero, indes in den vergleichsweise extrem niedrigen Strompreisen in Venezuela. Auch dass die Regierung bereits erklärte, den Petro auch im Land selbst als Zahlungsmittel akzeptieren zu wollen, dürfte laut den Experten Vertrauen bei Anlegern schaffen. Denn sollte es daran fehlen, wird es Venezuela äußerst schwer haben, durch den Petro für seine fragile Wirtschaft einen neuen Impuls setzen zu können.

Wer das sozialistische Venezuela im Kampf gegen Neokolonialismus und kriegerischen US Imperialismus unterstützen will, sollte diese Kryptowährung kaufen. 

 

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