Thyssen-Krupp - Das deutsche Proletariat erhebt sich noch einmal 

Die geplante Fusion des deutschen Stahl-Giganten Thyssen-Krupp mit dem britischen Tata-Steel- Konzern sorgt bei der deutschen Arbeiterbewegung noch einmal zum Protestverhalten gegenüber der Konzernführung und zahlreichen Kundgebungen und Manifestationen. Auch Dauer-Streiks sind nicht ausgeschlossen. 

Die europäische Top Wirtschaft im Stahlbereich will sich gegen die chinesische Konkurrenz besser wappnen,

Doch der Preis dieser Fusion ist hoch . Es werden nicht nur Synergien geschaffen. Es stehen auch tausende Industriarbeitsplätze auf dem Spiel. Mehr als 8000 Arbeitsplätze sol die Fusion vernichten. 

Über 7.000 Stahlarbeiter haben gestern Vormittag in Bochum ein starkes Zeichen an der Ruhr dafür gesetzt, dass sie die Arbeitsplatzvernichtungspläne von Thyssenkrupp Steel Europe (tkSE) und Tata Steel nicht akzeptieren.  

Ab 8 Uhr rollten am Bochumer Werk von Thyssen-Krupp die Busse an – zuallererst kommen die Duisburger Stahlwerker. Aber auch Delegationen aus allen Standorten des Konzerns, genauso von anderen Stahlkonzernen wie Rasselstein Andernach, Stahlarbeiter aus dem Siegerland, von ArcelorMittal, Vallourec und Stahlform Kitzigen. Kolleginnen und Kollegen unter anderem auch von Ford Köln sind gekommen.

Offenes Mikro erregte Aufsehen

Das offene Mikrofon verschiedener kämpferischer Kräfte wird von Opel-"Offensiv"-Betriebsrat Steffen Reichelt aus Bochum und Jürgen Blumer von der Montagsdemo Duisburg moderiert.

Sie begrüßen unter anderem herzlich eine große Gruppe Azubis. Diese wählen sich einen Sprecher, der gleich seine erste Rede am Mikrofon hielt und betont, dass es um die Zukunft der Jugend geht.

Annegret Gärtner-Leymann, früher Betriebsrätin der "Offensiv"-Liste bei Opel in Bochum, vermittelt den Stahl-Kollegen wichtige Kampf- und Streikerfahrungen der Opelaner.

Sie berichtet von den vielen positiven Erfahrungen mit der Solidarität der Stahlarbeiter: "Klar stehen wir nun an eurer Seite." Unterstrichen von feurigen Musikbeiträgen - wie „Keiner schiebt uns weg“, dem Lied aus dem Stahlarbeiterkampf 1988 in Duisburg-Rheinhausen - entfaltet sich so ein beeindruckendes Bild der Solidarität der Industriearbeiter untereinander.

Auch ganz linke Gruppen mischen kräftig mit. Neben der SPD und der Linken auch die MLPD. 

Gabi Fechtner, Vorsitzende der MLPD, bringt die Solidarität und Unterstützung der sixch selbst als revolutionär definierenden marxistischen Arbeiterpartei zum Ausdruck.

Sie betont, dass die Arbeiter sich nicht auf Standortdenken und Spaltung einlassen dürfen oder darauf, nur noch "das Schlimmste zu verhindern". Jetzt sei "echte  betriebliche Mitbestimmung" der Arbeiter und Angestellten gefragt.

Mitbestimmen können sie nur durch Kampf und nicht durch illusionäre Hoffnungen auf Hinterzimmerbeschlüsse.

"Hoch die internationale Arbeitersolidarität" wird als Motto des Tages ausgegeben, 

Auf einem Transparent von Ford-Kollegen steht: "Hoch die internationale Arbeitersolidarität!" Solidarische Grüße von Jeroen Toussaint, Vorsitzender des "Rode Morgen" Niederlande, werden verlesen und mit begeisterndem Applaus bedacht: 

"Für "Rode Morgen" ist klar, dass wir international zusammen kämpfen müssen. ... Tata und die Gewerkschaftsführung sagen, dass es keine Entlassungen geben wird. Aber wir wissen, wie das geht. Die Leute an den Hochöfen werden sich über die nächsten Schritte beraten. Es ist schade, dass die Gewerkschaftsführung hier nicht von Anfang an einen gemeinsamen Kampf organisiert. Wir werden unser bestes dafür tun, das möglich zu machen!"

Zukunft der Jugend ist ein ernstes Anliegen

Stahlarbeiter aus Essen sagen zunächst: "Vielleicht ist es gar nicht so schlecht, wenn das Werk geschlossen wird. Dann können wir eventuell in Frührente, da gibt es vielleicht Sozialpläne." Die Diskussion darüber, was die jetzigen Pläne für die Jugend bedeuten, dass wir Verantwortung für unsere Familien und die Zukunft der ganzen Region haben, bringt sie ins Nachdenken. Sie stimmen dem ebenfalls zu und man merkt, wie es in ihnen kämpft.

Viele Diskussionen über selbständigen Streik

Drei Kollegen von Hoesch aus Hagen sagen, wir sind aufgrund der Art unserer Produktion gar nicht betroffen, trotzdem sind wir solidarisch: "Wenn es zum Streik kommt, sind wir natürlich dabei."

Ein Kollege sagt: "Klar muss man streiken. Aber wer nimmt das in die Hand? Die Gewerkschaftsführung nicht." So denken und sagen es viele.

Die meisten finden es auch richtig, selbständig zu streiken. Es gibt viele Diskussionen darüber, dass es notwendig ist, dafür selbst Verantwortung zu übernehmen und sich besser zu organisieren. Es ist keine Frage, dass den Stahlarbeitern bei einem Streik die Solidarität aus dem ganzen Ruhrgebiet und darüberhinaus sicher ist.

Die Redner bei der anschließenden Kundgebung der IG Metall beklagen durchweg, dass thyssenkrupp die Montan-Mitbestimmung außer Kraft gesetzt und den Betriebsrat nicht in die Entscheidungen einbezogen habe. Sei fordern damit aber nur ihr Co-Management bei der möglichst "geräuschlosen" Abwicklung der Stahlfusion und der massenhaften Arbeitsplatzvernichtung ein.

Andrea Nahles gibt sich öffentlich  kämpferisch

Andrea Nahles, Noch-Arbeitsministerin der SPD in der Bundesregierung, legt sich mächtig ins Zeug: „Wir sind heute hier zum Kämpfen!

Wir in der Politik kämpfen für euch!“ Dafür erhält sie großen Applaus. Damit hat sie sich weit aus dem Fenster gelehnt und es bleibt abzuwarten, welche Taten folgen. Wir erinnern uns, wie sich ihre Parteikollegin und Ex-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft beim Kampf gegen die Werksschließung von Opel in Bochum in die Büsche schlug.

Was sich kämpferisch anhört, bedeutet aber nichts anderes, als dass auf keinen Fall die Kolleginnen und Kollegen selbst die Initiative in die Hand nehmen sollen. Ein Azubi fragt im Gespräch: "Warum dürfen SPD, Grüne und Linkspartei - also nur die 'Großen' - auf der Tribüne reden und nicht auch die MLPD.

Es war schnell geklärt, dass dies nicht an der "Größe" der Parteien liegt, sondern am Antikommunismus der IG-Metall-Führung.

Trotzdem bleibt zu hoffen, dass die Arbeitzerbewegung einen Sioeg davon tragen kann. Eine Vergeselllschaftung von Thyssen-Krupp wäre die beste Option.

  

 

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