Hat dein Staat bei den Nazi-NSU-Morden mitgemordet? Strafanzeige gegen Staatsschutz-Spitzel Temme

Die NSU Nazi-Morde werden nur  halbherzig aufgearbeitet.

Statt mögliche Hintermänner des Verfassungsschutzes ebenso anzuklagen wie Beate Zschäpe hält der Staat offiziell an dem Märchen von der Existenz dreier Einzeltäter fest. Dabei war das mit eingebundene Umfeld viel größer.

Nazi-Größen, die gleichzeitig als Staatsspitzel wirkten,  wurden  nicht mal als Zeugen  gehört.

Das änderte sich auch nicht als ein gewisser Bau-Unternehmer Marschner als Führungsoffizier der Geheimdienste von  Uwe Mundlos bzw Uwe Böhnhardt enttarnt wurde.

Jetzt hat die Linksfraktion der Linkspartei Strafanzeige gegen Andreas Temme gestellt, der bei 6 von 9 NSU- Morden entweder wie im Kasseler  Internetcafe direkt dabei oder in unmittelbarer Nähe des jeweiligen Tatortes gewesen war.

Zwischenzeitlich war wegen Mordverdacht gegen den Agenten des Verfassungsschutzes ermittelt worden.

"Klein Adolf", wie er in seinem Heimatort genannt wurde, will nichts gesehen haben. Als Sportschütze verfügte er zudem über eine zahlreiche Waffensammlung und viel Nazi-Literatur. Für den Verfassungsschutz arbeitet er seit vielen Jahren.

Noch immer gibt es viele Fragezeichen im NSU-Komplex. Eines der größten steht hinter der Rolle des ehemaligen Verfassungsschutz-Mitarbeiters Andreas Temme.

Das beschäftigt auch MDR-AKTUELL-Hörer Hartmut Gebauer aus Dresden: "Mich interessiert die Zusammenarbeit des Verfassungsschutzes mit Andreas Temme, der ja auch an mehreren Tatorten gesehen wurde - zum Beispiel in dem Internetcafé in Kassel und etwa am Wohnwagen in Eisenach.", berichtet schon der MDR vor geraumer Zeit.

Es gab eine Tatort-Rekonstruktion der Polizei. Herr Temme ist mindestens zwei Mal an der Stelle vorbeigelaufen, an der der erschossene Halit Yozgat zu diesem Zeitpunkt lag. Bis heute macht er geltend, dass er den erschossenen Halit Yozgat nicht gesehen haben will - was angesichts der räumlichen Verhältnisse völlig unmöglich ist."

Als mutmaßliche NSU-Mitglieder in Kassel 2006 den Internetcafe-Besitzer Halit Yozgat mit zwei Schüssen in den Kopf hinrichten, sitzt er also mittendrin. Kurz nach dem Mord verlässt er seinen Internetplatz und legt ein Geldstück auf den Tisch, der mit Blutspritzern bedeckt ist.    

Der Besitzer liegt tot hinter dem Schreibtisch. Wenig später wird er sich angeblich an nichts erinnern.

Warum war ein Mitarbeiter des Verfassungsschutzes am Tatort und warum hat er sich trotz eines Aufrufs der Polizei nicht als Zeuge gemeldet? Andreas Temme meint: Alles Zufall. Er habe sich deshalb nicht gemeldet, weil er befürchtet hat, seine Frau erfahre von seinen Chat-Bekanntschaften.

Angeblich wil Temme wegen seiner Frau im Internetcafe die Flirt-Seiten besucht haben. Doch Recherchen an seinem PC ergaben, dass er sie auch von zu Hause aus immer wieder besucht hatte.

Als V-Mann-Führer betreute Temme auch Spitzel in der rechtsextremen Szene. Wie nah stand er dem NSU? Diese Fragen treiben auch Clemens Binninger um, den CDU-Innenexperten und Vorsitzenden im zweiten NSU- Untersuchungsausschuss des Bundestags: "Es gibt eine Skizze in den Asservaten [Beweisstücke] in Zwickau, die die Innenräume des Cafés zeigt. Wir haben uns immer gefragt: Wer macht so eine Skizze, für die er ja ins Café reingehen muss? Er macht sie nicht für sich selbst, sondern für den Täter."

Hartnäckig hält sich auch das Gerücht, dass beim angeblichen Selbstmord der mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt ein dritter Mann in dem Wohnmobil war - und dass dieser Unbekannte Andreas Temme gewesen sein könnte.

Um diese Fragen zu beantworten, wäre es beispielsweise nötig, die von Temme geführten V-Leute zu vernehmen und alle Akten beim hessischen Verfassungsschutz einzusehen. Doch die Sperr-Erklärung des damaligen Innenministers und heutigen Ministerpräsidenten Volker Bouffier verhindert das.

Strafanzeige gegen Andreas Temme: Verheimlichung von Dienstbezügen zwischen Temme und Ceska-Morden belasten auch Verfassungsschutz und Bouffier schwer!

„Es ist der jahrelangen Aufklärungsarbeit der LINKEN im hessischen NSU-Ausschuss zu verdanken, dass ein wesentliches Puzzlestück zur Rolle des Andreas Temme und hessischen Geheimdienstes beim NSU-Mord in Kassel hinzugefügt werden konnte“, erklärt Heidemarie Scheuch-Paschkewitz, Landesvorsitzende der Partei DIE LINKE. Hessen.
 
„Augenscheinlich sollten dienstliche Bezüge zwischen Andreas Temme und der Ceska-Mordserie gegenüber der Polizei und den parlamentarischen Aufklärungsgremien verheimlicht werden. Das ist ein absolutes Unding gegenüber den Opfern, dem Parlament und der Öffentlichkeit und muss strafrechtliche sowie politische Konsequenzen haben.“
 

Dass Temme bereits vor dem Mord an Halit Yozgat eine Quellenabfrage zur Ceska-Serie erhalten und diesen Auftrag wohl schriftlich quittiert habe, müsse allen Beteiligten 2006 völlig klar gewesen sein. Das Wissen und entsprechende Dokument dazu läge ja seit 2006 im Geheimdienst vor. Trotzdem wurden die Informationen weder der damals ermittelnden Polizei, noch dem Deutschen Bundestag, sondern erst dem Landtag auf explizite Nachfrage mitgeteilt. Zudem wurde Temme ja in einem 2006 abgehörten Telefonat vom Geheimschutzbeauftragten des Geheimdienstes angehalten, sich gut zu überlegen wann er erstmals von der Ceska-Serie erfuhr, um sich `unangenehme Nachfragen´ zu ersparen. Ministerpräsident Volker Bouffier kann sich nicht länger weckducken und muss sich seiner Verantwortung stellen.

„All das spricht dafür, dass Temme und der Geheimdienst alle Dienstbezüge gegenüber der Polizei und dem Parlament vertuschen wollten. Andreas Temme muss dies bei seiner Falschaussage vor dem Deutschen Bundestag voll bewusst gewesen sein. Er leugnete ja sogar dienstliche Bezüge, die es nach dem Mord an Halit Yozgat reihenweise gab, weil er einen Ermittlungsauftrag zum Mord an Halit Yozgat angenommen und umgesetzt hatte. Nun fragt sich umso mehr, warum Volker Bouffier nach Bekanntwerden des Falls Temme im Juli 2006 öffentlich behauptete, es gäbe keinerlei dienstliche Bezüge. Und es fragt sich umso mehr, was Temme und Geheimdienst seit Jahren zu verbergen haben.“

 

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