Mit dem Tod von Rockefeller endet die reichste Dynastie der Welt 

David Rockefeller ist im Alter von 101 Jahren gestorben.

David Rockefeller war seit seiner Rückkehr vom Zweiten Weltkrieg im Jahre 1945 eng mit dem einflussreichen US-Think Tank Council on Foreign Relations verbunden.

Trotz sieben neuer Herzen wurde er keine 200 Jahre alt, die er angestrebt hatte.

Aus der Chase National Bank wurde im Jahr 1955 zunächst die Chase Manhattan Bank und man stieg in das Privatkundengeschäft ein. Nach weiteren Fusionen firmiert die Rockefeller-Bank heute als JPMorgan Chase & Co.

Aus der Raffinerie, die John D. Rockefeller im Mittleren Westen der USA errichtet hatte, entwickelte sich später die Standard Oil Company – lange Zeit der größte Öl-Konzern der Welt und Vorläufer des Rohstoffgiganten Exxon Mobile. So mächtig wurde das Unternehmen, dass Präsident Theodore Roosevelt es 1906 zerschlug. Aber da hatte Standard Oil längt den Wohlstand der Familie Rockefeller begründet. John D. Rockefeller gilt als einer der reichsten Menschen, die je gelebt haben – und als Vater der vielleicht legendärsten Dynastie Amerikas. Nun, 150 Jahre nach den rauschhaften Tagen am Cuyahoga River, geht sie zu Ende.

Mit David Rockefeller ist am Montag der letzte Enkel des Ölmagnaten gestorben.

David Rockefeller galt als der älteste Milliardär der Welt – und der letzte Patriarch der Rockefeller. Er führte ein Dasein mit Luxus und Einfluss, reiste in fast 100 Länder, traf dabei mehr als 200 Staats- und Regierungschefs. Rockefeller schien drei Leben gleichzeitig zu führen: das eines Bankers, eines Präsidentenberaters und eines Wohltäters.

Rockefeller, der Banker, begann 1946 bei der Chase National, weit unten, als Assistenzmanager. In den kommenden 15 Jahren bahnte er sich seinen Weg nach oben, stieg bis zum Präsidenten auf. Später wurde er Generaldirektor der Bank und ihr größter Einzelaktionär. Er machte aus dem Institut eines der am besten im Ausland vernetzten US-Unternehmen. Als erster amerikanischer Geldmanager wagte er es, Niederlassungen in Russland und China zu eröffnen.

Seit den 1960er Jahren bestehen enge Verbindungen zwischen den Familien Rockefeller und Rothschild. Im Mai 2012 stieg Jacob Rothschild mit seiner Bank RIT Capital Partners PLC als Aktionär bei Rockefellers Rockefeller Financial Services ein.[11]

Unter Rockefellers Führung stellte sich die Chase Manhattan Bank international breiter auf und wurde zu einem zentralen Pfeiler des internationalen Finanzsystems. Sie besitzt heute ein globales Netz von geschätzten 50.000 Korrespondenzbanken und ist die größte Bank der Welt. 1973 wurde die erste Filiale einer amerikanischen Bank in der damaligen Sowjetunion gegründet, am Moskauer Karl-Marx-Platz 1 in der Nähe des Moskauer Kreml.[12][1

Rockefeller, der Berater, unterstützte mit eben diesem globalen Netzwerk das Weiße Haus oft bei heiklen diplomatischen Missionen. Aber selbst einmal einen Posten in Amerikas höchstem politischen Machtzirkel zu übernehmen – das schien ihn nicht zu reizen. Zwei Präsidenten, der Demokrat Jimmy Carter und der Republikaner Richard Nixon , boten Rockefeller den Posten als Finanzminister an. Beide Male lehnte er ab.

Im Spätherbst 1979 waren der damals amtierende Vorstandsvorsitzende der Chase Manhattan Bank und Vorsitzende des Council on Foreign Relations David Rockefeller, der damals amtierende CFR-Direktor Henry Kissinger und der ehemalige CFR-Präsident John J. McCloy Auslöser und Hauptdarsteller einer internationalen, weltweit umstrittenen Affäre. Sie hatten gemeinsam mit Rockefellers Beratern US-Präsident Jimmy Carter überredet, den schwer krebskranken Schah von Persien ins Land zu lassen, damit er sich in einem US-Hospital behandeln lassen konnte. Der Schah kam im Oktober 1979 in New York an, und wurde umgehend ins Cornell Medical Center des NewYork-Presbyterian Hospital transportiert. Als dies im Iran bekannt wurde, kam es daraufhin am 4. November 1979 zur Erstürmung der US-amerikanischen Botschaft in Teheran durch iranische Studenten und zur 444 Tage andauernden Geiselnahme der Botschaftsangehörigen, der sogenannten "Geiselnahme von Teheran". Zum ersten Male in seinem Leben stand daraufhin Rockefeller unter intensiver Beobachtung und auf dem Prüfstand US-amerikanischer Medien, insbesondere der New York Times.[17]

Think Tanks und weitere Interessengruppen

 
Rockefeller wurde von Allen Welsh Dulles in eine CFR-Studiengruppe berufen.

David Rockefeller war seit seiner Rückkehr vom Zweiten Weltkrieg im Jahre 1945 eng mit dem einflussreichen US-Think Tank Council on Foreign Relations verbunden. In der für das Studienjahr 1946/47 gegründeten Studiengruppe The Problem of Germany stellte der spätere CIA-Direktor, Chef des US-Geheimdienstes OSS in der Schweiz und im Nazi-Deutschland, sowie CFR-Präsident Allen Dulles unter der Leitung von Charles Spofford die Diskussionsrunde Reconstruction of Western Germany mit David Rockefeller als Secretary zusammen.[18] Das von David Rockefeller gegründete und finanzierte David Rockefeller Studies Program ist eine der wichtigsten Säulen des CFR. Dieser CFR-interne Think Tank beschäftigt 70 hauptberufliche sogenannte CFR Fellows, die wirtschaftliche und politische Expertisen erarbeiten und über das bestehende Netzwerk an Entscheidungsträger übermitteln. Zudem schreiben die Fellows Bücher, Zeitungsartikel, Blogs und beteiligen sich an Diskussionen über die Weltpolitik.[19]

Rockefeller war von 1949 bis 1985 Direktor, von 1950 bis 1970 Vizepräsident und von 1970 bis 1985 Vorstandsvorsitzender des Council on Foreign Relations.[20]

Weiterhin gilt er über die Rockefeller-Stiftung als Gründer der Trilateralen Kommission und der Group of Thirty, beides private Interessenvereinigungen der Finanzwirtschaft. Rockefeller saß im Steering Committee der Bilderberg-Konferenzen und ist Namens- und Geldgeber für das David Rockefeller Center for Latin American Studies der Harvard University.

David Rockefellers Reichtum schätzte „Forbes“ zuletzt auf 3,2 Milliarden Euro. Es sei ihm bewusst, wie viel Glück er gehabt habe, sagte er dem Magazin einmal.

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