Der Leitzins und andere Instrumente der Geldpolitik sind wegen dieses Hinterzimmersystems in China gar nicht so maßgeblich für das Wachstum, obwohl auch die Zentralbank nicht unabhängig entscheiden darf.

Im Westen setzt man seit Endes des Systems von "Bretton Woods" auf freie statt auf festgelegte Wechselkurse.  

Selbstverständlich ist die chinesische Zentralbank mit zuverlässigen Mitgliedern der Kommunistischen Partei besetzt.

 

"Die Instrumente der Geldpolitik helfen dabei, die Quote plangemäß zu erfüllen", sagt Ardo Hansson, Chefökonom für China bei der Weltbank.

Ein vergleichbares Problem wie in Europa und den USA, wo die Notenbanken die Märkte mit Geld fluten, um eine Kreditklemme zu verhindern, doch die Banken das Geld horten, statt Kredite zu vergeben, gibt es im Reich der Mitte nicht.

Es gilt das Primat der Politik und kein Primat der Oligopolwirtschaft. .

Ein Kreditcrunch ist in den Planvorgaben nicht vorgesehen.

Gerade in der westlichen Finanzkrise erweist sich das unterentwickelte und stark reglementierte Finanzsystem Chinas als Vorteil.

Während Investmentbanken in New York und London mit immer fantastischeren Finanzprodukten Milliardengewinne einfuhren und sich anschließend zu Billionenkosten von den Steuerzahlern retten ließen, erwirtschafte China ohne Zockerei bessere Resultate.

Die Banken im Reich der Mitte verdienen ihr Geld ganz altmodisch vor allem mit der Vergabe von Krediten.

Komplizierte Wertpapiere wie Optionen auf verbriefte und mehrfach umgepackte Verbindlichkeiten sind ihnen ebenfalls fremd.

"Deshalb ist der überhitzte Immobilienmarkt auch weniger gefährlich als bei anderen großen Blasen, etwa in Japan oder den USA", sagt der unabhängige chinesische Ökonom Andy Xie.

Die Leute besitzen ihre Wohnungen und erfreuen sich an den Wertsteigerungen - aber sie beleihen sie nicht und ersparen dem Markt dadurch ein Systemrisiko.

"Bodenständigkeit statt wilde Zockerei", ließe sich das Prinzip beschreiben.

Kapitalkontrollen als Vorteil

Die Kritik westlicher Institutionen wie OECD und IWF an ihrem geteuerten Finanzsystem und den marktwidrigen Kapitalverkehrskontrollen lassen Chinas Führer ebenso an sich abperlen.

Chinas Machthaber können sich insofern in ökonomischer Hinsicht bestätigt fühlen.

Die Kapitalverkehrskontrollen seien in der derzeitigen Lage ein Vorteil, schreibt die Ökonomin Syetarn Hansakul von der Deutschen Bank.

China drohten im Prinzip ähnliche Gefahren wie Japan Ende der 80er-Jahre, doch Peking habe mehr Möglichkeiten zur Stabilisierung.

"Die chinesische Wirtschaft ist weitgehend vor scharfen Umschwüngen in den globalen Portfolioinvestitionen geschützt." Das reduziere die Risiken, die vom Geschehen an den Finanzmärkten ausgehen.

Jetzt denken die Planer im Pekinger Regierungsviertel schon weiter: Die eigenen Unternehmen sollen die Schwäche des Westens nutzen, um global zu expandieren.

Vergangenen Monat erst hat sich Autohersteller Geely, zuvor unbekannt, mit staatlicher Unterstützung die schwedische Traditionsmarke Volvo geschnappt.

Und weltweit sind Chinas Rohstoffkonzerne unterwegs, um sich wichtige Ressourcen zu sichern. In China macht sich derzeit sogar eine Stimmung zugunsten einer Renationalisierung und Vergesellschaftung von Unternehmen anstelle einer weiteren Privatisierung breit.

Der Staatsanteil an der Wirtschaft ist durch den regierungsamtlichen Geldsegen des Jahres 2009 deutlich gestiegen.

Staat und Bürger fühlen sich mit diesem Trend durchaus wohl - schließlich stabilisierte er den Arbeitsmarkt.

Sollte der Westen also glauben, dass China sich ganz von selbst von der Staatswirtschaft zu einer freien Marktwirtschaft entwickeln werde, so gibt er sich wohl einer Illusion hin.

Die jüngsten Erfolge haben die Planwirtschaft nur noch fester verankert. Der krisenhafte Westen ist für China schon lange kein Vorbild mehr. Ein Bestseller auf dem Buchmarkt trug den selbstbewussten Titel: "Wir können auch Nein sagen".